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Mein Freund das Schwarze Loch

von Konstantin Schemat und Dominica Schemat


Vorwort

Mitleid kann ein Gift sein, übler und vor allen Dingen hinterhältiger, als die eigentliche Katastrophe. Es macht dich zum Opfer, zum Ding, zu schwach, zu dinghaft, um noch etwas eigenes zu wollen. Selbst wenn Du nicht in die Opferschublade gestossen wirst, wenn Du freiwillig hinein hüpfst, dann lassen sie dich trotzdem nicht so schnell wieder heraus. Diese Geschichte ist für Dich, wenn sie dich erwischt haben, wenn das Glück dich verlassen hat, wenn es oben friert, 0 Grad Kelvin, alles tot, während unten die Scheisse kocht und Du dich entschlossen hast, nur Mitleid von einem einzigen Lebewesen zu akzeptieren, dir selbst. Ich kann dir nicht garantieren, dass es hilft, aber einen Versuch ist es wert.

Zacharias Vater

Zacharias Vater hat mal die Welt umsegelt. Er kann tolle Geschichten erzählen, die ihm auf der Weltumseglung eingefallen sind, mit ihm braucht man kein Streaming. Eine seiner besten Geschichten ist die von dem Fänger, den die Seeleute nie beim Namen nennen, weil sie so abergläubisch sind. Echte Seeleute sagen zu dem Fänger immer: Der andere Mann. Vor dem anderen Mann, so sein Vater, fürchten sich die Seeleute, sobald das Schiff still steht. In einer Flaute, besteht Gefahr, dass der andere Mann an Bord kommt. Ist der andere Mann einmal an Bord, kann man ihn kaum wieder loswerden, denn sein Trick ist, er kann andere Menschen verschlucken, so wie es sonst nur eine Amöbe kann, die sich einfach wie eine lebendige Pfütze über das ergiesst, was sie schlucken will, und dann ist alles, was an dir draussen ist, bei der RiesenAmöbe, dem anderen Mann drinnen. Das macht er so geschickt, Du merkst überhaupt nichts, bis auf das es vielleicht ein bisschen feucht wird, aber wenn Du auf See bist, dann passiert das oft, dass es ein bisschen nass und klamm ist.

Zacharias will wissen: Wie wirst Du ihn wieder los?

Der Vater wiegt den Kopf hin und her: Schwierig.

Zacharias: Ich weiss, wie ich es mache, ich gehe einfach an die Kücheschublade (Zacharias geht dramatisch an die Küchenschublade und reisst sie in einem Schwung auf und schnappt sich den Sparschäler), und schäle mich frei.

Vater: Keine schlechte Massnahme, aber woher weisst Du denn, dass du im anderen Mann bist? Du willst Dich doch nicht selbst wegschälen, oder?

Zacharias: Na das ist mir aber eine lustige Frage.

Zacharias rennt zum Kühlschrank und kommt mit einer Scheibe Gemüsesülze wieder.

Vater: Oh, Junge, bitte quäl mich nicht damit.

Zacharias: Nicht quälen, nur durchgucken.

Der Vater sieht durch die Sülzescheibe aus dem KüchenFenster in den Wald und sagt: Sehr sülzig da draussen.

Zacharias: Siehst Du, immer wenn es draussen sülzig ist, bist Du mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in einem anderen Mann.

Vater: Das ist ein super Trick, wenn ich den nur schon vorher gewusst hätte. Aber im Ernst, der andere Mann ist auch nicht nur blöd, der kennt den Sülzentrick schon, er hat sich nämlich alle Mühe gegeben, dass dir überhaupt nicht auffällt, dass dich ein anderer Mann verschluckt hat.

Zacharias: Echt jetzt!?

Vater: Er hat nämlich eine ganz fortschrittliche Technik in sich, die sogenannten Nervenschleicher, das sind Nervenzellen, die ein bisschen an winzige Nacktschnecken mit ihren kleinen vorwitzigen Fühlern erinnern, die sich an deine Augen und Ohren und auch an deine Hand heranschleichen, und alles übertragen, was der andere Mann fühlt. Aber sie können nicht nur die Gefühle perfekt übertragen, sondern auch, wenn Du was willst, wenn Du deinen Arm bewegen willst, der in dem Arm von dem anderen Mann steckt, dann überträgt dein Arm über die Nervenschleicher von dem anderen Mann, was für eine Bewegung du machen willst, und dann macht der andere Mann die auch. Wenn der will, dann macht der alles mit, was Du auch willst. Verstehst Du, im Grunde genommen ist der andere Mann nichts anderes, als eine Art Doppelgänger von dir, der dich verschluckt hat, und der mit raffinierter Biotechnologie alles was er fühlt an dich weitergibt. Wenn jetzt der Wind auffrischt, dann spürt nicht nur der andere Mann das, sondern auch Du. Und so bekommst Du überhaupt nicht mit, dass Du in deinem Doppelgänger steckst, dass dich dieser eigenartige Doppelgänger verschluckt hat.

Zacharias der mit der Sülze vor seinen Augen rumgespielt hat, nimmt sie erschrocken von den Augen: Ja, dann merkst Du gar nicht, dass Dich der andere Mann verschluckt hat.

Vater nickt: Das ist schon vielen Seeleuten so geschehen, besonders, wenn sie zu sehr auf den Flaschengeist gehört haben, der in den Rumflaschen steckt.

Zacharias: Aber die anderen müssen es doch merken, wenn ihre Freunde plötzlich grösser geworden sind und anders aussehen. Wie kriegt der andere Mann das hin?

Vater reibt seine Vollbart: Natürlich kann der andere Mann jedes Aussehen nachmachen, was er will, ist ganz einfach, er muss es sich nur ansehen, und schon hat er sich in dich verwandelt. Aber die Sache mit der Grösse, das ist wirklich ein Ding, über das ich noch gar nicht nachgedacht habe.

Zacharias Vater schlägt sich mit der flachen Hand auf die Stirn und sagt erstaunt: Stimmt ja, er muss ein ganzes Stück grösser sein, der andere Mann, wie kriegt er das nur hin, dass das keiner merkt?

Zacharias ist begeistert: Das ist ein Geheimnis!

Der Vater in gespielt grossspurigem Ton: Mit mir kann der andere Mann das aber nicht durchziehen, denn nun weiss ich, was man machen kann, man kann es genau spüren ...

Zacharias vollendet den Satz: ... dass es verdammt nass ist, wenn er dich verschluckt hat, eben doch wie in Sülze.

Zacharias Vater lacht laut und scheppernd los und klopft seinem Jungen anerkennend auf die Schulter.

Zacharias: So einfach lassen wir uns nicht reinlegen, was?


Aber Zacharias hat noch etwas anderes erfunden, was man tun kann, wenn der andere Mann kommt und deinen Vater verschluckt hat. Besonders dann, wenn noch der Flaschengeist dazu kommt. Dann bleibt einem nämlich nichts anderes übrig, als sich total anzustrengen unheimlich langweilig zu sein. So langweilig, wie jemand, der immer ganz ordentlich ist, sich immer die Zähne putzt und die Schuhe, der alles erledigt, fehlerfrei natürlich und jeden Tag das Gleiche macht. Dann findet der andere Mann nichts zum meckern, und bald ist er verschwunden.

Aber Zacharias musste feststellen, dass das nicht immer funktioniert, in schweren Fällen, wenn der Flaschengeist dazu gekommen ist, dann muss man zusätzlich noch so tun, als wäre man auch von einem anderen Mann verschluckt worden, nur dass dieser ganz anders konstruiert ist, viel praktischer, dass er nur alle netten Gefühle zu Zacharias in seinem Inneren weiterleitet und alle anderen Gefühle, die kommen einfach nicht durch. Zacharias: Im Ernst, wenn ich in den anderen Mann gekrochen bin, in der Spezialanfertigung sozusagen, dann kannst Du mir eine Ohrfeige geben ... spür ich einfach nicht. Oder Du machst Muskelreiten mit mir ... kannst Du stundenlang machen, ich kriege nichts davon mit.

Nur zu dumm, dass sie es in der Schule sehen, an den blauen Flecken, die man trotzdem bekommt, und Zacharias, das genau mitbekommt, wie ihn die Lehrerin ansieht, denn immer wenn sie das macht, dann juckt das kleine Schildchen hinten im Kragen ganz fürchterlich, als wäre es aus reinstem Juckpulver.


Einmal als sein Vater noch in dem anderen Mann steckte hat er gejammert und sich entschuldigt, und Zacharias fast angebettelt, dass er sich doch verstecken soll, wenn der Flaschengeist kommt: Versteck dich dann vor mir!

Aber Zacharias wusste, dieses heulende Rotz hochziehende Wesen, das war gar nicht sein Vater, sondern auch nur eine Spezialanfertigung von dem anderen Mann, nur keine besonders gut gelungene.

Denn ganz gleich wie betrunken sein Vater auch war, wenn er Zacharias verprügeln wollte, dann fand er ihn schliesslich, und wenn er sich in der Seekiste auf dem Dachboden versteckte, oder in der Regenzisterne in der Waschküche. Zacharias lernte, im wirklichen Leben lässt sich der andere Mann nur sehr selten austricksen, im wirklichen Leben musst Du einstecken können, ohne kaputt zu gehen. Und von seinem Vater wusste er: Junge, ein Boxer kann nicht nur das Schlagen trainieren, sondern auch das Einstecken.

Was für eine optimische Theorie.

Wohin?

Es war nich leicht für Zacharias, den Schaden auf die blauen Flecken zu begrenzen, er konnte spüren, wie er sich veränderte, und das gefiel ihm nicht. Wenn er nur irgendwo hin gekonnt hätte. Sein Vater hatte sich den Ozean ausgesucht, also musste Zacharias etwas anderes finden. Dabei beschäftigte ihn eine Frage, warum heisst es eigentlich Raumschiffe? Warum nicht Raumflugzeuge? Vielleicht sagen die Leute Raumschiff, um sich einzureden, dass das mit den Raumschiffen ja nicht so schwierig sein kann. Was braucht man schon zwingend für ein Schiff? Da reicht es doch schon aus, wenn untenherum alles dicht ist und kein Wasser rein kommt, fertig ist das Schiff. Beim Raumschiff ist das natürlich viel schwieriger, oder nicht? Wie sieht das eigentlich aus, aus einem kaputten Schiff konnte man immer noch ein Floss bauen. Gibt es auch ein Raumfloss, was man aus einem ramponierten Raumschiff bauen kann? Aber wo soll man ein kaputtes Raumschiff schon finden? In den Filmen ist das natürlich immer total einfach, da stehen die Dinger im Nebel im Wald rum, oder sogar auf deiner Fensterbank, wenn es sich um Alienzwerge handelt. Aber wie war das im richtigen Leben? Nun, im richtigen Leben, da würden die Wrackteile alle verglühen. Das ist es, was sie einem erzählen, damit man nicht mit dem Suchen anfängt, das ist doch klar. Das ist wie beim Pilzesuchen, da prahlen auch nur die Stoffels mit reicher Beute. Aber wo findet man die meisten Raumschiffteile? Das ist eine einfache Frage, natürlich dort, wo man auch die meisten Meteoriten findet. Und die findet man in der Sahara und in der Antarktis, da braucht man sie nur einzusammeln. Nur dumm dass das schon andere vorher getan haben. Aber auch auf Hausdächern kannst Du Meteorite finden, winzig kleine, dafür braucht man dann aber ein Mikroskop. Aus Sandkörnern, und haben sie noch die schönsten Muster, wie man sie nur in Meteoriten findet, da ist sich Zacharias sicher: aus Sandkörnern kann er sich kein Raumfloss bauen.

Zacharias muss lange nachdenken, bis er noch eine zweite Idee hat. Aber dann ist ihm die Lösung sonnenklar. Warum soll man zum Schrottplatz gehen, wenn man auch zum Raumbahnhof gehen kann? Natürlich kann man da nicht nach Cape Karneval gehen, da findet man nur vollständig rückständige Erdling Technik, nein, worauf es ankommt ist: man muss einen geheimen Raumbahnhof der Aliens finden. Denn das es welche geben muss, soviel ist doch klar, bei all den Exoplaneten. Und was anderes ist auch noch klar, wenn ich ein Alien wäre, denkt sich Zacharias, dann würde ich das nicht jedem auf die Nase binden, denn wenn einen die anderen Aliens besuchen kommen, das kennt man ja, was dann passiert, soviel ist sicher, eine gute Sache ist das bestimmt nicht.

Nur gut, dass Zacharias nicht lange suchen muss, um einen echten Raumbahnhof zu finden, der Steinbruch oben im Wald, das muss einfach ein Raumbahnhof sein. Es hat alles was ein Raumbahnhof braucht. Er liegt versteckt in der Kuppe des Berges, drinnen ist ein kleiner See, in dem die Raumschiffe auskühlen können und gewaschen werden, und sollte mal ein Teil abfallen, dann fällt es erst mal gegen die 30 m hohen Granitwände. Was willste mehr?


Der Meteorit

Als der Wetterbericht sagt, dass die RegenWolken endlich abziehen werden und es dann eine klare Nacht geben wird, da kann Zacharias nicht mehr zurück, heute Nacht wird er seinen Mut zusammen nehmen und hoch zum Steinbruch gehen, der versteckt oben im Wald liegt ungefähr einen halben Kilometer hinter Zacharias Haus. Taschenlampe und das grosse Klappmesser seines Vaters liegen schon bereit. Und auch die Regenjacke hat er wiedergefunden. Obwohl sie schon so eng ist, dass sie unter den Armen zwickt. Er kann sich noch erinnern, wie er protestiert hat, weil sie viel zu gross war, und seine Mutter gesagt hat: Da wächst Du noch rein. Er kann sich noch an den zufriedenen Blick seiner Mutter erinnern, wenn er die Jacke übergezogen hat. Und er weiss bis heute nicht genau den Grund. Das liegt an einer Art grossen aufgenähten LeuchtKäfer, den sie selbst auf den Rücken der Jacke genäht hat. Er funktioniert fast so wie ein Ziffernblatt einer alten Uhr, was auch das Licht speichern kann, um es als grünes Leuchten langsam wieder abzugeben. Ihr war einfach wohler dabei, wenn Zacharias im Strassenverkehr auffiel, weil die LKWs vom Steinbruch es einfach immer eilig haben.

Nur zu dumm, dass es für Zacharias, der mitten im Wald wohnt, trotzdem nicht so einfach ist, unbemerkt zum Steinbruch zu kommen. Das liegt daran, dass der Steinbruch immer noch aktiv ist und fast jeden Tag knallt es, wenn sie wieder eine Granitwand sprengen, dass die Hütte wackelt. Aber es gibt noch einen weiteren Grund, nicht zum Steinbruch zu gehen, und der ist vielleicht noch gefährlicher. Da ist der Apotheker, ein komischer alter Mann, der das alte Landschulheim gekauft hat. Er ist Zacharias einziger Nachbar und wohnt nicht weit von ihm entfernt. Was sonderbar ist, wie oft Zacharias ihm unfreiwillig begegnet, besonders, wenn er alleine unterwegs ist. Zacharias hat schon öfter Wildschweine gesehen oder sogar einen wilden Hund und kein einziges Mal hat er wirkliche Angst gehabt, aber vor dem Apotheker hat er schon Angst. Vor allen Dingen, weil er nicht weiss, wie er seine Beine gebrauchen muss, wenn der Apotheker da ist. Denn der redet und redet, solange, bis Zacharias glatt vergessen hat, dass er weglaufen wollte. Und dann ist ihm der unheimliche Alte schon so nah, dass er nur noch die Hand ausstrecken müsste und "hab-dich" sagen könnte. Natürlich könnte Zacharias dann immer noch weglaufen, aber wird er es tun? Oder wird der Alte dann wieder etwas erzählen, dass er nicht weglaufen kann. Wenn Zacharias den Alten von weitem sieht, hält er sich schon die Ohren zu, und läuft langsam rückwärts. Auch wenn Zacharias im Rückwärtsgang nicht so schnell ist, dem Alten kann er immer noch entkommen, wenn er ihn nur nicht direkt ansieht, und seine Ohren schliesst, das ist der Trick.

Zacharias holt tief Luft, bevor er in den steilen Hohlweg geht. Er hat das alles geplant. Der Weg ist zu rutschig nach dem Regen gestern und zu steil für den alten Mann, dort hat ist er bestimmt sicher vor ihm. Aber leider sorgen die hohen Bäume an seinem Rand für reichlich Schatten in der Nacht. Vor den Schatten des Tages fürchtet er sich nicht, aber bei dem spärlichen Licht am Waldboden in der Nacht, bilden sich so tiefe, so dunkle Schatten besonders unter den Büschen, dass man überhaupt nichts mehr sehen kann. Dort könnte jemand stehen, oder hocken, und selbst wenn er eine rote Clownsnase tragen würde, sehen könnte man ihn nicht mehr. Und je länger man sich mit diesen Schatten beschäftigt, desto unheimlicher werden sie. Dann dauert es nicht mehr lange und diese Schatten scheinen sich zu vermehren, wie die Tücher, die ein Zauberer aus dem Ärmel zieht, kommen sie hervor. Ein unendlicher Strom an vollkommener Finsterniss, der sich immer weiter im Wald ausbreitet. Ja, ein Strom von Schatten, der sich an dich anschleichen kann, der auch droht dich zu verschlucken, damit das, was in dem Schatten geduldig auf dich gewartet hat, endlich über dich herfallen kann.

Da ist es schon passiert, auf dem Weg zum Steinbruch durch den Hohlweg hinauf stolpert Zacharias selber über eine Wurzel. Das Licht der Taschenlampe will er trotzdem nicht anmachen. Wenn er sich nur nicht noch einmal umgedreht hätte, als er endlich aus dem finsteren Hohlweg heraus ist, um zu sehen, wie mutig er gewesen ist, dann hätte auch nicht der Mann, der schon fast am Rand des Steinbruchs angekommen war und der den Wald mit seinem grossen Nachtgläsern angestrengt absuchte, auch keinen Grund gehabt so widerlich breit zu lächeln. Und er wäre still geblieben, ganz ohne den Triumpf, und hätte nicht, ganz leise, ganz verschwörerisch, nur zu sich selbst sagen können: Ich glaube, heute Nacht bekommen wir noch Glühwürmchen.


Zacharias fragt sich im Aufsteigen, warum der Alte ihn so oft zuerst entdeckt. Und als ihm dann im Nacken wieder das Etikett juckt, da ist es ihm klar: Natürlich, die blauen Flecke, die ziehen solche Leute an. Einen kleinen Moment zweifelt Zacharias an seiner Hypothese, denn schliesslich ist der Alte ein Apotheker, und bei einem Apotheker ist es doch nicht verwunderlich, wenn der sich für blaue Flecken interessiert. Aber nein, der kann Zacharias nicht täuschen, der Apotheker will etwas ganz anderes.

Trotzdem bleibt das Problem, was macht Zacharias, wenn er einmal von dem Alten gepackt wird, wenn es so weit gekommen ist? Er ist so in Grübelleien vertieft, dass er gar nicht mitbekommen hat, dass er schon an seinem Ziel angekommen ist, dass ihn nur noch wenige Schritte von dem Steinbruchsee trennen, dass er gar nicht den hellen Lichtschweif am Himmel sieht, erst als das Licht ganz nah ist, wie ein Blitz, und den Apotheker nur 5 m neben ihm, im Schatten eines Bauwangens im Steinbruch stehend sieht, hell von dem Meteoriten erleuchtet, wie ein weiss glühender Teufel in der ewigen Nacht, da weiss er, dass etwas Aussergewöhnliches geschehen ist. Und an dem Wasser in seinem Gesicht spürt er, dass es in seiner Nähe passiert sein muss. Diesmal redet der Apotheker nicht auf ihn ein, er rennt direkt auf ihn zu, verfehlt Zacharias und wartet, bis das Wasser an dieser Stelle aufhört zu brodeln, dann zieht er eine Art Stock, aus dem See, und nimmt dabei überhaupt keine Rücksicht auf seine Hose und seine Schuhe und zieht den länglichen Meteoriten aus dem Wasser. Wie versteinert steht Zacharias da, nun hat der gruselige Typ nicht nur sein Raumschiffteil, sondern auch ihn selbst. Wieviel Pech kann ein Mensch haben, wenn man weiss, dass keine zwanzig Meteoriten im Jahr in Deutschland vom Himmel fallen. Aber nun ist es zu spät, nun steht der Gegenbeweis für alle Wahrscheinlichkeiten direkt vor Zacharias und streckt den Arm nach ihm aus. Zacharias ist wie hypnotisiert: Was kann man noch einmal in so einer Situation tun? Und in diesem Moment spürt er, wie ihn der Apotheker am Schlafittchen packt, wie alles zu spät ist. Er sollte jetzt weinend zusammenbrechen, aber nein, da war doch noch ein Ausweg, wie ging das noch mal? Der Apotheker macht den Fehler, dass er Zacharias nur mit einer Hand packt, weil er seine Beute in der anderen Hand nicht aufgeben will. Und Zacharias gelingt es den Meteoriten zu fassen, er fühlt sich ganz schön schwer aus, wohl aus Eisen und Nickel, mit einem Ruck hat er dem überraschten Alten den Meteoriten entrissen, und in dem gleichen Schwung, dreht sich Zacharias um seine Achse, wie er es in einem Kung Fu Film gesehen hat und zieht dem Apotheker den Meteoriten über den Schädel.

Leider hat er den Meteoriten da aus der Hand verloren, und muss ihn in der Panik noch im stiefeltiefen Wasser suchen. Aber schliesslich hat er ihn, und rennt so schnell er kann mit seiner Beute nach Hause. Auf dem Weg dahin, überlegt er sich, wenn das so einfach ist, dann kann ich diesen Knüppel über den Kopf Trick auch mal mit dem anderen Mann probieren. Aber als er ausser Atem zu Hause ankommt, sitzt sein Vater leicht gereizt, oder besser gesagt, stock nüchtern, aber betont freundlich, auf einer seiner Wiedergutmachungsmissionen am Abendbrottisch und sagt zu Zacharias: Junge, da bist Du ja! Hast Du Hunger? Komm und setzt dich, ich hab dir was vom China Imbiss mitgebracht.


Die Heilung des Meteoriten

Zacharias hätte nicht erklären können, warum er das "Jagdsaison" nennt, denn eigentlich war es das genaue Gegenteil, er hätte Schonzeit dazu sagen müssen. Denn es war schon öfter vorgekommen, dass sein Vater wieder nüchtern war und sich fest vorgenommen hatte, dass das jetzt auch so bleiben sollte und dann ging es Zacharias gut. Er brauchte keine Angst vor dem anderen Mann haben, und auch nicht vor den Blicken der Lehrerin, die scheinbar genau verfolgte, wie seine blauen Flecken langsam die Farbe wechselten. Und auch vor dem Apotheker brauchte er sich nicht mehr fürchten, oder? Ehrlich gesagt, wäre Zacharias ganz froh gewesen, den alten Zausel mal wieder zu sehen, jedenfalls auf sichere Distanz. Er wäre froh darüber, wenn er wüsste, dass der Apotheker unversehrt in seiner Apotheke sitzt. Aber so genau wollte es Zacharias doch nicht wissen. Als er mit seinem Vater in der Stadt war, hat er ihn angebettelt, nicht durch die Hauptstrasse zu fahren, wo die Apotheke liegt, sondern einen Umweg zu machen. Und natürlich ist sein Vater, der jetzt in der Jagdsaison versuchte es wieder gut zu machen, gleich darauf eingegangen. Ein bisschen bereute das Zacharias später, denn wenn sie vorbeigefahren wären, dann hätte er gewusst, dass es dem Apotheker wieder gut geht. Oder etwa nicht? Kann es jemand gut gehen, wenn er K.O. im Seewasser liegt, auch wenn sein Herz noch schlägt, was macht er, wenn er nicht rechtzeitig aufwacht, bevor ihm die Luft ausgeht?

Auch das Raumschiffteil hatte sich als nicht so nützlich erwiesen. Es war schwer und wahrscheinlich aus einer geheimnisvollen Legierung der Aliens, oder vielleicht doch nur aus Eisen und Nickel. Aber Zacharias war nicht blöd, er legte es in den Ausguss, in selbstgemachtes Meerwasser, um zu sehen, ob es rostet. Denn wenn es rostet, dann wäre es bestimmt nicht sooo besonders, so wie die hässlich rostenden Schrauben an Zacharias Fahrrad aus dem Baumarkt.

Dem Vater war das natürlich aufgefallen, jetzt, wo er schon ein Weilchen nüchtern war, und fleissig Vitamine nahm, baute sein Gehirn wieder auf, und er wurde sogar witzig. Er hat es hinbekommen, dass ihm Zacharias fast die ganze Geschichte von dem Apotheker erzählte, und wie gruselig der wäre. Sein Vater ging dann gleich der Sache nach, aber wie es sich herausstellte, war der Apotheker noch im Krankenhaus. Was Zacharias Vater dazu benutzte ihn zu besuchen, um mal auf den Busch zu klopfen. Als der Apotheker andeutete, dass Zacharias ihm eins über gegeben hat, da empfahl ihm der Vater seinen Jungen in Ruhe zu lassen, sonst würde er das, was Zacharias angefangen hat, zuende bringen. Was den Vater ärgerte, wie frech der Apotheker unter seinem Kopfverband war, er wollte den Meteoriten untersuchen.

Zacharias Vater brüllte fast: Welchen Meteoriten?

Bei dem Geschrei taten dem Apotheker der Schädel weh und er verzog das Gesicht vor Schmerz.

Zacharias Vater: Es gibt keinen Meteoriten, das was ihnen da auf den Kopf geschlagen ist, das ist nur Geierscheisse.


Und stolz seinem Sohn mal geholfen zu haben, erzählte der Vater von dem verdutzten Gesicht, als er dem Apotheker von der Geierscheisse erzählt hat.

Vater: Warum hast Du die Geierscheisse eingelegt?

Zacharias: Ich will testen, ob sie rostet.

Dem Vater war nicht entgangen, trotz aller Spässe und allen Engagements war sein Sohn noch ängstlich, wenn er in der Nähe war und so bemühte er sich, weiter den Clown zu geben und sagte: Mit Salzwasser kannst Du den nicht testen, damit kriegst Du den nicht kaputt, versuche es mal damit.

Dann kippte der Vater seine Schnapsvorräte in das Waschbecken, während er aus den Augenwinkeln beobachtete, wie sein Sohn darauf reagierte. Er achtete so sehr auf ihn, dass ihm nicht auffiel, was da im Waschbecken direkt vor ihm wirklich geschah.


Die Wandlung

Es ist eine längere Geschichte, wie sich der Meteorit langsam gewandelt hat. Zuerst bekam er eine Schwarze Hülle. Zacharias glaubte erst, es würde sich um Rost handeln, aber als er eine kleine Probe entnahm, stellte er fest, dass es sich um gewöhlichen Kohlenstoff handelte, denn man konnte die kleine Probe rüstandsfrei verbrennen. Doch Zacharias war sich sicher, dass der Kohlenstoff bestimmt in einer besonderen Form, entweder als Diamant, Nano Tube, Buckyball oder Graphen oder sonst was vorlag. Der Kohlenstoff stammte wahrscheinlich aus dem Alkohol. Und was eigenartig war, wie Zacharias fühlen konnte, wie die kleine Probenentnahmestelle der Geierscheisse, so tauften sie jetzt das Raumobjekt, Probleme bereitete. Erst als der Vater bemerkte, dass es nach Nagellackentferner riecht, und noch ein kleines Fläschchen von Nagellackentferner von Zacharias Mutter gefunden hat, konnten sie den Riss in der Haut heilen. Die Verwandlung von Geierscheisse war am Anfang unheimlich langsam. So langsam, dass Geierscheisse sogar einmal wieder in Vergessenheit geriet, als Zacharias das Hirschkalb gefunden hat, und es selbst aufwachsen lassen wollte. So dauerte es lange, bis sie entdeckten, dass Geierscheisse nicht nur Kohlenstoff aus diversen Kohlenwasserstoffen aufnehmen konnte, vorzugsweise aus Aromaten, wie sie in Hustensalbe steckten wie Naphtalin, aber auch Benzin und Benzol, aus einem alten Benzinkanister, in dem noch eine Pfütze übrig geblieben war. Weil Geierscheisse dabei nicht schmatzte und alles so langsam vonstatten ging, fiel vieles nicht auf. Aber als sich Geierscheisse, dann durch ein Edelstahlwaschbecken gefressen hatte, und unten in den Mülleimer darunter gefallen war, da brauchten sie etwas, um das ganz zu verstehen. Von da an entwickelte Zacharias eine Art Kraftfutter für Geierscheisse. Erst mit kleinen Schrauben in Hustensalbe, dann mit kleinen Kugellagerkügelchen, aber das war immer noch nicht das Optimale, denn am besten waren feine Metallspäne in Bohnerwachs, was ziemlich schwierig aufzutreiben war. Denn aus Metallspänen lässt sich leicht Sprengstoff herstellen und was Bohnerwachs ist, das weiss heute niemand mehr. Zacharias Vater rechnete sich an, seinem Sohn vor dem Verlust von Geierscheisse bewahrt zu haben, weil er ihn warnte, es ja niemand zu erzählen, sonst wäre er Geierscheisse los.


Aber bevor Zacharias entdecken konnte, wozu Geierscheisse wirklich gemacht war, legte der Vater seinen Verstand wieder in Alkohol ein. Und als sich gerade Verzweiflung über eigenes Versagen in Zorn verwandelte packte der Vater Geierscheisse und schleuderte sie in Richtung von Zacharias. Dazu muss man sagen, ohne den Vater zu entschuldigen, dass Geierscheisse auch wirklich einladend zum Werfen aussah, und nun einem dreiarmigen Bumerang sehr ähnlich sah. Und wie ein Bumerang kam Geierscheisse auch zu dem verdutzten Vater zurück und brach ihm eine Rippe. Was für ein Glück für Zacharias, denn jeder der schon mal eine gebrochene Rippe hatte, der weiss, dass man sich alles mögliche leisten und genehmigen kann mit einer gebrochenen Rippe, man kann sich volllaufen lassen, um den Schmerz zu betäuben, auch wenn das keine gute Idee ist. Was man, wie so oft beim Alkohol, viel zu spät merkt. Was man aber wegen dem stechenden Schmerz sofort mitbekommt, das ist, wie schmerzvoll tiefes Luftholen ist, was doch so notwendig ist, für jede Art von Wutanfall, aber auch vor der nervigen tränenreichen rotzhochziehenden Reue am Tag danach. Und so hatte Geierscheisse dafür gesorgt, dass die nächste Alkoholphase für Zacharias glimpflicher begann als üblich. Der betrunkene Vater konnte noch seinen Arm packen und ein wenig drücken, während er seinen wundervollen Sohn leise mit Flüchen bedeckte, aber das war Nichts im Vergleich zu früher, bei unbehinderter Atmung.

Auch war Zacharias nicht entgangen, wie unmöglich die Flugbahn von Geierscheisse war. Denn wenn er ihn mit einem normalen Bumerang verglich, dann hätte er niemals so einen engen Kreis ziehen können, um in der Küche auf seinen Vater zurück zu fliegen.


Und so bekam Geierscheisse nun nicht nur das richtige Kraftfutter, er bekam auch Flugstunden von Zacharias. Dazu muss man wissen, dass am Hügel hinter dem Steinbruch im Norden eine grosse Lichtung lag, die den Blick auf das Flusstal freigab, und schon immer träumte Zacharias davon, mit Flitzebogen, Zwille und was auch immer, so weit so kommen, dass er den Fluss überquerte und sein Stein oder Pfeil auf der anderen Seite landete. Geierscheisse schien seinen Wunsch zu ahnen, denn er flog immer weiter, und es hatte den Anschein, dass er nur einen kleinen Schubs zum Start brauchte, um sich dann ganz selbstständig zu bewegen. Seine Flüge wurden immer ausgedehnter, so weit, dass er Geierscheisse nicht mehr sehen konnte. Dann dauerte es nicht lange bis zu dem Tag, wo Geierscheisse nicht mehr zurück kehrte.


Muss eigentlich immer alles erst noch mal schlimmer werden?

Oft leben Menschen unter elenden Bedingungen und merken es noch nicht einmal, bis dann jemand kommt, der sie fragt, wie sie das nur aushalten können, oder, noch fieser, es sieht für einen Moment aus, als könnten sie entkommen. Der Vater dem Schnaps und Zacharias seinem Vater. Aber so fing alles wieder von vorne an. Nur dass diesmal die ganzen Geschichten mit dem anderen Mann ihre Wirkung völlig verloren hatten. Sich vom anderen Mann verschlucken zu lassen, um die Prügel nicht mehr so krass zu spüren, das funktionierte nicht mehr. Das Wunder, das mit Geierscheisse in ihr Leben getreten war, hatte sie nun nur noch hoffnungsloser dem Alkohol ausgeliefert. Aber das war noch nicht alles, denn der Apotheker war durch das forsche Auftreten von Zacharias Vater aufgeschreckt worden, und bastelte fleissig daran, den Ruf von Zacharias zu zerstören, vorbeugend sozusagen, um nicht seinen eigenen zu zerstören, er war plötzlich ein auffälliger Jugendlicher, ein gefährlicher Schläger, ein Fall für die Jugendpsychiatrie? Dem Apotheker kam sein Geschick mit Krankheiten zugute. Denn in diesem Städchen vertrauten die Leute nicht ihrem Arzt, sondern dem begabten und kundigen Apotheker. Es war sogar so, dass sie oft nicht wussten, wohin mit ihrer Dankbarkeit, wenn der Apotheker das Schlimmste vermieden hatte. Und so kamen sie seinem Wunsch nach, und halfen ihm den Ruf von Zacharias zu zerstören. Und natürlich stand auch der Vater von Zacharias auf ihrer Liste. Es gab die ersten Besuche vom Jugendamt, und eine Jugendamtmitarbeiterin, die so dankbar für eine Medikamentenempfehlung des Apothekers war, die sie vom Asthma befreit hatte, schlug vor, Zacharias bei einem Mann mit tadellosem Leumund unterzubringen, wie dem Apotheker.

Einen kleinen Vorteil hatte das Ganze, denn nun ging Zacharias auf seinen Vater los und verteidigte sich, und brüllte ihn sogar an: Willst Du dass ich zu dem perversen Apotheker komme? Dann prügel mich nur ruhig weiter!

Viel hat dieser Einwand bei dem besoffenen Vater nicht geholfen, er hat ihn nicht davon abgebracht es weiter zu versuchen Zacharias mal tüchtig auszuklopfen, so nannte er das, aber er war danach auch im Rausch nicht mehr ganz so tüchtig und stellte Zacharias nicht mehr nach, wenn er die Flucht ergriff.

Das Leben für Zacharias war schon der Horror und kaum zu ertragen, während am Horizont neuer, noch perfider Horror wartete, der sich so lange steigern würde, bis er ihn irgendwann nicht mehr überleben würde.


Aber keine Angst, der Tag ist nicht mehr fern, als Zacharias Vater zerknirscht und nüchtern am Frühstücktisch sitzt und der Vater hat nicht nur Brötchen geholt, sondern eine Zeitung und dort auf der Titelseite, war der neue Held, der Popstar und Motivationstrainer mit seinem neuen Vortrag: Alles wird gut.

Und der Vater sieht sich das an, schüttelt den Kopf: Klimawandel, Umweltverschmutzung, Überbevölkerung wird alles gut, was für ein Quatsch. Zacharias hatte nur halb hingehört, denn es ist eins, was sein Vater sagt und etwas anderes, was er tut, und so passte er auf, nicht eine schmerzhafte Kopfnuss verpasst zu bekommen, die sein Vater gerne reichlich und immer aus dem Nichts kommend verteilte, da fiel sein Blick auf das Bild des Motivationstrainers.

Zacharias: Papa sieh mal!

Der Vater, froh mal wieder Papa genannt zu werden, sieht sich das Bild an und sagt bass erstaunt: Scheisse ne!

Zacharias: Geierscheisse!

Der Vater zeigt mit dem Zeigefinger auf den Typ, der sich Dominique de Oladron nennt und sagt: Ich weiss nicht warum, der sieht nicht wie ein Bumerang aus, und auch nicht wie ein Krummholz, er sieht nicht mal Geierscheisse ähnlich, und doch, ich will verflucht sein, wenn das nicht Geierscheisse höchst persönlich ist.

Zacharias wunderte sich, dass sich sein Vater noch vor dem Verflucht-Sein zu fürchten scheint, aber ihm war auch klar: Definitiv Geierscheisse!

Im nächsten Moment war Zacharias aufgesprungen: Ich fahr hin.

Vater: Nimm dir Geld aus meinem Portemonnaie.

Das hatte Zacharias schon getan.

Als Zacharias schon an der Tür ist ruft ihm der Vater hinterher: Wie willst Du ihn das fragen? Was machst Du, wenn er das abstreitet? Ich meine, wer gibt schon zu, so 'n Geierscheisse Alien zu sein, ich meine freiwillig.


Auf der Fahrt im Bus, und dann mit der Bahn kochte die Wut in Zacharias richtig hoch: Kommt hier an, lässt sich gesundpflegen wie in einem beschissenen Sanatorium, prellt die Rechnung und verpisst sich einfach: Geierscheisse!


Als Zacharias Geierscheisse am Frühstücksbüffet in dem besten Hotel des Orts auflauert und ihn gerade erwischt, wie ein Milchkännchen aus Neusilber samt Inhalt verdrückt, erkennt ihn Geierscheisse gleich wieder, und tut so, als ob sie alte Kumpels wären: Mensch Zacki, lange nicht gesehen, wie lief es denn so?

Zacharias ist am sieden: Super, wieso fragst Du?

Geierscheisse lässt geschickt nicht nur das Lachsstück mit SenfHonigSosse sondern auch das affige kleine Gäbelchen in sich verschwinden: Ah, das in deinem Gesicht sieht böse aus. Du musst Dich vorsehen, dass er dich mit dem Verbrechen nicht ansteckt, ruckzuck wirst Du vom Opfer zum Täter und verprügelst Dein Kind. Wir hatten bei uns zuhause, also in meinem Sonnensystem auch dieses Problem, wir haben die Verbrecher eingesperrt und bestraft und die Kinder nicht geschützt und uns um die Opfer so lange nicht gekümmert, bis sie Täter wurden und wir sie auch einsperren konnten. Ja, es gab mal einen Namen für diese Krankheit, wir waren der Überzeugung, dass sie sich quasi genetisch verbreitet, ja, jetzt weiss ich es wieder, Crimeme würde man das wohl in deiner Sprache nennen. Du glaubst nicht, wie lange es von dieser Erkenntnis endlich bis zur Impfung gebraucht hat, dass man die Opfer impfen konnte, wenn die das wollten, damit sie nicht ihre Kinder anstecken, Jahrhunderte sage ich dir. Obwohl bei uns die Jahrhunderte nicht ganz so langweilig sind, weil unser Jahr kürzer ist, he, das ist lustig, oder? Habe ich gerade einen Witz gemacht?

Zacharias schüttelt den Kopf.

Geierscheisse: Das mit den Witzen ist wirklich schwer zu lernen, glaub mir das. Auch ein Häppchen Lachs?

Zacharias schüttelt den Kopf.

Geierscheisse: Ich wollte ja zurückkommen, bin dir was schuldig, ist schon klar. War nicht so leicht, musste mir erst wieder ein Raumschiff wachsen lassen, also wenn Du glaubst, Geburt tut weh, dann lass Dir erst mal ein Raumschiff wachsen.

Zacharias: Ich kann nicht gebären.

Geierscheisse sieht vom Tellerchen zu Zacharias: O.K. was kann ich tun?

Zacharias: Wie wäre es mit der Impfung.

Geierscheisse: Moment mal, ich habe mir zwar ein Raumschiff wachsen lassen, aber die Impfung hat bei uns diese Form von Kriminalität fast ausgerottet, tut mir leid, die gibt es gar nicht mehr, braucht keiner mehr auf unserem Planeten.

Jetzt schmollt Zacharias und Geierscheisse sagt: Ich habe aber noch Spielzeug, das gehört zur Ausstattung jedes Raumschiffes, sozusagen als Gastgeschenk, und ich konnte es hier nicht verschenken, da solltest Du mir eigentlich dankbar für sein.

Zacharias schmollt immer noch.

Geierscheisse: Was soll das bedeuten? Hm? Da in deinem Gesicht, das sieht wie ein Wetterphänomen aus, bekommen wir ein Gewitter?

Zacharias schmollt immer noch.

Geierscheisse: Aber dir könnte ich eins dieser Spielzeuge überlassen, da gibt es einen kleinen Workaround, und du wirst sehen, es gibt keine blauen Flecke mehr, wenn Du dein eigenes Magnetfeld hast. Ach Du weisst nicht wovon ich spreche, Geierscheisse macht eine irres Gesicht indem er seine Augäpfel rausfallen lässt und wieder einzieht und sagt: Ein Kraftfeld!

Geierscheisse überreicht Zacharias eine Art Streichholzschachtel und fragt: Habt ihr eine gute Stromleitung?

Als Zacharias die Schachtel einsteckt und aufsteht ohne zu antworten sagt Geierscheisse während er auf Zaharias zeigt: Mensch Alter, Du hast echt was gut bei mir. Lass uns mal wieder was zusammen machen. Das mit dem Fliegen war übrigens echt super, das hat mich so an meine eigene Kindheit erinnert, mensch wie lange ist das her? 2000 Jahre sind es jetzt bald.

Zacharias ist an der Drehtür des Luxushotels und sieht sich noch mal um.

Geierscheisse: Du willst gehen? O.K. dann bis bald mal, Zacki, äh Zacharias.

Und als Zacharias der Drehtür einen Schubs gibt, fällt Geierscheisse noch was ein und er ruft: He Zacki, Moment mal, hör doch noch mal zu, schalte niemals, ganz gleich, wie sehr das Kraftfeld auch bettelt, den Automatikmodus ein, O.K.?


Immer Ärger mit dem Kraftfeld

Das Kraftfeld (das kleine Geschenk von Geierscheisse) sagt: Ich bin Grimm Baff Aleph Rasple Chi, der Schrecken sadistischer Eltern, der Bezwinger der schwarzen Pädagogik, usw. wo ist denn hier deine Drehstromleitung?

Zacharias: Da vorne.

Kraftfeld: Was das da, diese müde Steckdose, dieser bemittleidenswerte Kriechstrom, dein Ernst, das willst Du mir anbieten damit ich dich beschütze? Das ist ja so, als würdest Du deine Verbündeten zu einem GalaDinner einladen, auf dem es nur Katzenfutter mit Sägespäne gibt.

Zacharias sieht das Kraftfeld ratlos an.

Kraftfeld: Ich bin hier.

Zacharias dreht sich um, kann aber die kleine Schachtel nicht sehen, da brüllt ihn das Kraftfeld an: Und ich habe schrecklichen Durst!

Zacharias: Vielleicht versuchst Du es doch mal mit der Steckdose, ich kann dir auch einen Doppelstecker anschliessen. Oder wie wäre es mit einem Verlängerungskabel vielleicht, kannst Du wie ein Strohhalm verwenden.

Kraftfeld: Bewunderswert deine Führsorge, aber ich brauche richtig was, wenn ich an dieser Steckdose nuckele, dann verliere ich mehr durch Leckstrom, als ich aus der Steckdose wieder herausziehen kann.

Das war der Anfang der Geschichte von vielen Ausflügen zu den Überlandleitungen im Wald und die Ursache für diverse Stromausfälle in der ganzen Region.

Aber es sollte sich lohnen. Das bekam Zacharias zu spüren, als er einmal mit dem Kraftfeld Squash gespielt hat. Vielleicht lag es auch daran, dass das Kraftfeld sehr eitel war und verlieren war einfach keine Option.

Doch wenn es wirklich gebraucht wurde, etwa um die Flugbahn der Bierpulle seines Vaters vorzeitig zu beenden, damit sie nicht auf Zacharias Nase landete, oder den Faustschlag vollständig abzufangen, damit er nicht durch einen Solarplexus Treffer K.O. ging, dann war das Kraftfeld kaum zu spüren.

Das Kraftfeld antworte dann: Ich bin Grimm Baff Aleph Rasple Chi, der Schrecken sadistischer Eltern, der Bezwinger der schwarzen Pädagogik, und Du musst noch die Grundeinstellungen abschliessen.

Die Grundeinstellungen waren wirklich nervig, weil man erst durch eine Befragung durchmusste, wo man von dem Kraftfeld gehört hatte, ob auch die Freunde sich dafür interessieren würden usw. Und ganz hinten, so versteckt, dass sie nicht mal der Programmierer selbst wiederfinden würde, war die Einstellung, wieviel Schlaghärte das Kraftfeld abhalten sollte. Und das war auf Default eingestellt, d.h. nur letale, also absolut tötliche KraftSpitzen verhindern, das war die niedrigste Einstellung. Um das Kraftfeld zum totalen Block zu motivieren brauchte Zacharias ein Masterpasswort, was er aber nicht hatte. Aber Zacharias war auf Zack und siehe da, im Untermenü des Debugmodus, durch weitere Untermenüs tief vergraben, da gab es noch die Einstellung versteckt, die einfach nur "Klaps" hiess. Zacharias vermutete, dass diese Einstellung dazu diente, wenn man das Kraftfeld einstellte und ein bisschen herumprobieren musste und dann aus Übermut mit einer Schusswaffe auf sich ansetzte, oder seine Kopf in die Schrottpresse legte, dass man mit einem blauen Auge davon kam.

Kraftfeld: Du weisst schon, dass das eine Menge Energie kostet?

Zacharias: Wie Squash?

Das Kraftfeld wird pampig: He, das brauche ich für meine Freizeit, wenn ich mich erhole, hast du ein Problem damit?

Das Kraftfeld packte Zacharias am Kragen und schüttelte ihn sehr sanft und doch sehr bedrohlich.

Zacharias: He, wo kann man das einstellen, das am Kragen packen?

Das Kraftfeld übergibt Zacharias der Schwerkraft und nörgelt: Mach dich erst mal mit meinen Grundfunktionen vertraut.


Wenn das Leben keine Bitch mehr ist, dann kann es immer noch ein Spassvogel sein. Wie sehr hatte sich Zacharias die Unverwundbarkeit gewünscht, wie harmonisch hätte das Zusammenleben sein können, Dauerprügel, die einfach nicht durchkommen, aber was passierte jetzt? Zacharias Vater ging zu den anonymen Alkoholikern, und es schien zu funktionieren. Zacharias wollte darauf das Kraftfeld in den Standbymodus versetzen, um nicht mehr raus zu müssen zum Strom klauen. Aber als er endlich die Einstellung gefunden hatte, war die durch eine sogenannte Schmerzschwelle geschützt. Wenn man der Einstellung nur näher kam, dann wurde ein sogenannter Nervenalarm in der Hand ausgelöst, mit dem man sich dem Menü zu sehr genähert hatte, mit blossen Schmerz konnte man das, was dann passiert nicht mehr beschreiben. Der Schmerz traf einen wie ein Blitz, alles wurde so hell, dass man nichts mehr sehen konnte. Und das Abklingen des Schmerzes brauchte 5 Minuten, in denen man den höhnischen Tadel seines Beschützers ertragen musste. Das Kraftfeld sagte: Äh, äh, äh, wolltest Du etwa meine Vitaleinstellungen verändern? Das ist nicht sehr nett, weisst Du, wenn jemand so wehleidig ist, wie Du und ein Kraftfeld braucht, dann wundert es mich nicht, dass Du für alle andere Kreaturen kein Mitleid mehr übrig hast. Hast Du alles für dich selbst verbraucht. Und wenn dein tapferes und treues Kraftfeld sich vergnügen will, wenn denn ein Leben in deinen Diensten noch Vergnügen genannt werden kann, dann wirst Du plötzlich kleinlich, wegen dem bisschen Strom.

Das Kraftfeld blieb, und wollte nicht gehen, "weil geschenkt ist geschenkt und weggegeben wird nie vergeben", fügte es drohend hinzu.


Die Versorgung des Kraftfeldes ist wirklich nicht einfach. Zacharias muss nicht nur Strom organisieren gehen, er muss sich für das Kraftfeld extra energiereiche Gute Nacht Geschichten ausdenken, von dem tapferen kleinen Kraftwerk, von den neuesten Solarzellen, den kräftigesten Windturbinen, und wie wild sie darauf sind, das kleine (!) Kraftfeld zu unterstützen, nachdem die für solche Geschichten üblichen Verständigungsschwierigkeiten behoben sind und die Eifersüchteleien befriedet wurden.

Nur zu Gut, dass Geierscheisse, alias Oladron das geahnt zu haben scheint, denn Zacharias bekommt einen eigenartigen Telefonanruf.

Zacharias: Ja freut mich auch von Dir zu hören, Geier... äh, Oladron, aber wo ist der Telefonhörer?

Oladron: Gedankentelefone haben keine Telefonhörer.

Und als Oladron von den Problemen hört, die Zacharias mit dem Kraftfeld hat, schickt er ihm Inge die Infinity Machine. Die gehört eigentlich zum Kraftfeld dazu, ohne Infinity Machine macht das keinen Spass, auch wenn sie im KraftfeldProspekt immer beteuern, dass es ReadyToRun wäre, Batteries includet etc.


Das Infinity Machine Inge kommt mit dem Paketdienst in einer Art PicknickRucksack, aus dem man sie nicht entfernen kann, sie ist damit fest verbunden, wie eine Schnecke, die ja auch nicht einfach ihr Haus verlassen kann, wenn es ihr nicht mehr passt, das können nur die Einsiedlerkrebse.

Wundern tut sich Zacharias nur über ein weiteres Geschenk Oladrons, einen grossen Laib Käse und eine Luffagurke, wie man sie zum Abreiben des Rückens braucht, und einem kleinen Zettel: Salze mich täglich bevor du mich ordentlich abrubbelst. Normalerweise würde man einen Käse, der so etwas von einem verlangt doch fragen: Und was bekomme ich dafür? Ich darf doch mal von dir kosten oder? Nur ein kleines Stückchen.

Aber Zacharias war klüger geworden. Der Käse blieb still, sagte kein Wort und Zacharias war froh darüber und dachte sich, wenn es alles ist, was ich tun muss, das was da auf dem Zettel steht, dann bin ich diesmal glimpflich davon gekommen.


Doch kaum ist Inge die Infinity Machine angekommen und damit alle Energieversorgungsprobleme theoretisch gelöst, da behauptet Inge, dass sie Anspruch auf ein eigenes Spielzeug habe. Das gefällt dem Kraftfeld natürlich überhaupt nicht, das Kraftfeld entgegnet: Du bist ein Hirngespinst wie wir alle, von diesem bedauernswerten schizophrenen Jungen, wie hiess er noch gleich, Zacharias.

Inge: Bedaure Liebesknochen, ich habe es schwarz auf weiss, sieh hier, Inge die Infinity Machine hat Entitätsstatus, siehst Du, da steht es, ich existiere wirklich, 100 Prozent reine unverschnittene Wirklichkeit, pure Reality, mit Stempel, Unterschrift, Hologramm, Geburtsurkunde und Siegel etc..

Kraftfeld: So, wenn Du kein Hirngespinst bist, dann bin ich auch keins, dann habe ich auch ein Anrecht auf ein eigenes Haustier.

Inge: Ich habe mich für Zacharias entschieden, soviel ist sicher, wenn Du deine Papiere zusammen hast, mit denen Du beweisen kannst, dass du existierst, O.K. ich stehe dir nicht im Weg, dann kannst Du dir aussuchen, was Du willst. Dir bleibt ja noch der Käse zum Versklaven.

Kraftfeld wird sauer: Versklaven?

Inge kreischt das Kraftfeld an: Hattest Du nicht genau das vor? Hast Du mich etwa nett gefragt, ob du mal an meinem Elektronenstrom nippen darfst? Hast Du das?

Kraftfeld: Ich? Ich habe dich umgarnt, dir den Hof gemacht, das war die hohe Minne.

Inge: Kann schon sein, will ich dir nicht absprechen, aber nach der hohen Minne sind schon ein paar Jahre vergangen, findest Du nicht? Heute läuft das anders.

Kraftfeld: Und wie läuft es anders?

Inge: Du muss nur fragen.

Zacharias unterbricht das, indem er sich an Kraftfeld wendet: Moment mal, heisst das etwa, dich gibt es überhaupt nicht wirklich? Willst Du sagen, ich habe dich ausgedacht?

Inge: Wenn ich mal für meinen virtuellen Kollegen antworten darf, das ist hier ein halluzinatorisches mixed reality environment, manches ist echt und das andere ist Halluzination.

Kraftfeld hebt Inge einen guten halben Meter hoch und sagt leicht genervt: Und was ist das?

Inge: Huch, das kitzelt ja in meinem Bauch, beinahe hätte ich dir geglaubt. Wirklich gute Arbeit Zacki.

Zacharias: Ich habe gar nichts gemacht!

Das Kraftfeld hebt Inge noch ein Stück höher und die sagt: Huch, ist das hoch, ich glaube es dir ja, Du bist bestimmt wirklich.

Kraftfeld zu Zacharias: Wetten, wenn ich sie runter lasse, behauptet sie wieder das Gegenteil.


Mist denkt sich Zacharias, hört das denn nie auf und geht noch mal persönlich zu Oladron, um ihn noch um ein Spielzeug für das Spielzeug zu bitten.

Oladron sitzt wieder am Frühstückstisch, er sieht prächtig aus und sagt: Sag es nicht, das Spielzeug will sein eigenes Spielzeug haben, oder? Bärbel will Kevin und dann will Kevin ein Auto, und das Auto will eine Garage, und die Garage will ein Haus, und das Haus will eine Strasse, die Strasse will die Stadt haben, die Stadt das Land, das Land den Planeten usw. Ja, Spielzeug ist heute sehr anspruchsvoll. Aber mach dir keine Sorgen, für diesen Fall gibt es Spezialisten, die dich so beschenken, dass Du nie wieder was haben willst.


Und so kommt Zacharias an zwei neue Freunde, die beide Eigenschaften haben, die man wirklich nicht zweimal haben will. Dabei sind sie grundverschieden, aber wenn sie eins gemeinsam haben, wenn man sie als Freund hat, dann braucht man keine anderen Freunde mehr, weil sie einen tüchtig auf Trapp halten.

Das schwarze Loch, will nicht Lochi genannt werden, auch nicht Lochster, nicht holy hole, nicht Blacky und nicht Flash, weil es mal einen super Namen hatte, den besten Namen, den es überhaupt gibt. Ein sadistischer Meister hat ihm den Namen gegeben, ohne ihm zu sagen, dass es seinen Namen gleich verschlucken wird, und für immer vergessen. Manchmal, an wirklich guten Tagen, kann man es SL nennen, wie schwarzes Loch, so wie ein Vertrauensmann mit seinem Capo spricht. Was man nicht machen darf, niemals, das sind Diätwitze. Diätwitze mit dem schwarzen Loch machen gehen gar nicht. Man sollte sich nicht wünschen auch ein schwarzes Loch zu Verdauung zu haben, das Schwarze Loch hasst es, der Todsünde der Völlerei geziehen zu werden, es wird dann immer ganz katholisch. Das kommt vielleicht daher, das der Meister sich immer einen Spass daraus gemacht hat, das schwarze Loch mit etwas zu beschenken, was es dann vernichtet hat. Also mag das schwarze Loch keine Geschenke, es sieht sie im Gegenteil als Verarsche, als billigen running Gag. Dafür unterhält es sich gerne. Denn Gedanken kann es einfach verschlucken, wenn es sie vorher geteilt hat, dann sind sie noch da. Wenn du ein schwarzes Loch bist, dann würdest Du das auch als Wunder empfinden. Ausserdem haben Gedanken eine unglaubliche Kraft, jetzt streng quantenmässig betrachtet, und kaum Gewicht. Gedanken sind für das Schwarze Loch eine Art Superfood.

Nur mit Hilfe der Gedanken, dass muss man sich einmal vorstellen, ist es dem sadistischen Meister auf die Schliche gekommen. So dass das Schurke von Meister nur noch einen Ausweg hatte, wenn er das schwarze Loch weiter quälen wollte, er musste alle Spuren beseitigen, deshalb hat er sich in das Schwarze Loch gestürzt und es so aussehen lassen, als ob das Schwarze Loch ihn aus einer Mischung aus Gier und Ungeschicklichkeit selbst verschluckt hätte.

Normalerweise kann ein schwarzes Loch alles verdauen. Spinat, Labskaus, Interkontinentalraketen, Raffinierien und Affinerien, sogar total unschädliche Pflanzenschutzmittel, alles keine Problem. Aber mit diesem Meister war es anders. Es kann den Meister spüren, immer noch, wie ein Stein im Schuh. An ganz schlechten Tagen hat das schwarze Loch sogar das Gefühl, es könnte seinen Meister noch riechen und schmecken. Das sind ganz schlechte Tage, dann hat das schwarze Loch nicht mal Lust Gedanken auszutauschen, seine Lieblingsbeschäftigung ansonsten. Dann sagt es: Bedauere, heute geht es nicht Zacki, mir liegt mein alter Meister noch auf der Zunge.


Und es gibt noch ein anderes Spielzeug, was sich Oladron zusammen mit dem Raumschiff hat wachsen lassen, was im ganzen Universum benutzt wird, um dem Wünschen ein würdiges Ende zu setzten.

Bob Binglebein: Kann mit eigenen Körperteilen werfen, trifft immer und schockt immer, selbst, wenn man weiss, dass Bob eine Show abzieht, nichts ist ekliger, als wenn er einen mit seiner Zunge bewirft. Na gut, da fällt mir noch was ein, wenn Bob ein Lasso aus sich selbst macht, das ist noch übler. Wenn er sich einen Arm ausreisst, um ihn wie einen Bumerang zu benutzen, dann ist das schon fast nett gemeint. Nach einer Attacke gräbt er sich in vorzugsweise schwarze humusreiche Erde ein, um die Körperteile nachwachsen zu lassen. Zur Zeit des Wachstums und der Regeneration, weicht der ganze Binglebein in der Erde auf, zu einer Art PlasmaMatschePampe mit einer straffen, aber erstaunlich wenig reissfesten Haut. Dieses Kinderspielzeug wird in einigen Sonnensystemen verwendet, um die Kinder abzuhärten. In anderen ist es als Suizidspielzeug eingestuft, und wird nur an Erwachsene verkauft, was für Kinderspielzeug nur wenig Sinn ergibt. Wenn man nicht will, dass Bob Binglebein seine gruselige Show abzieht, muss man ihn sanft mit einer Pusteblume necken (Achtung nur sanftes Necken, und kein grobes Ärgern!). Notfalls kann man es auch mit einem wirklich weichen Staubwedel probieren. Aber hundertprozentig sicher ist man dann noch nicht. Er mag es nicht gehänselt zu werden, "Bingelbein du altes Schwein, passt in jede Tüte rein" und man lässt das lieber, sonst will man in keine Tüte mehr fassen. Vorher durch einen Kontrollblick zu überprüfen, ob Binglebein ein Körperteil in einer Tüte versenkt hat, hilft übringens wenig, da Binglebeins Präsentation seiner ausgerissenen Körperteile ekeliger ist, als ein Griff in die Scheisse. Einige Opfer haben sich allein durch den Anblick von Binglebeins ausgerissenen Organen schon einen eitrigen Sehnerv geholt.

Und doch ist dieses Scheusal nicht unbeliebt, es ist anspruchslos in der Haltung, wenn man nur nicht vergisst ihn in Schach zu halten und Bob ist ausgesprochen treu. Wenn er sich einmal an jemand verschenkt hat, dann wird man ihn nicht mehr los. Aber, er ist auch immer bereit, seinen Freund zu verteidigen. Und wie er das macht, das kann sehr überraschend und auch erstaunlich erfolgreich sein. Wichtig ist nur, wenn Bob für dich kämpft: Augen, Ohren und last not least die Nase sorgfältig zu verschliessen. Aber das verstörendste an Binglebein ist nicht seine Treue, es ist seine Herkunft. Angeblich kommt er aus dem Schwarzwald, wo auch die notorischen Kuckucksuhren hergestellt werden. Für Bob Binglebein sind wir, unserer Planet, die nette kleine blaue Erde, in der ganzen Milchstrasse bekannt. Den Rattenfänger von Hameln, das könnte ich noch verstehen, oder Donald Trump, dessen Ego angeblich die Centauris mit blossem Auge in einer klaren Nacht am Himmel aufsteigen sehen können, das hätte ich auch noch verstanden, aber wer ist Bob Binglebein?



Oxana

Das Leben hatte sich für Zacharias durch seine neuen Freunde wirklich verändert. Allein der Käse forderte Zackis ungeteilte Aufmerksamkeit. Zacharias hatte das Gefühl, wenn er ihn mal etwas lieblos behandelte, dann sonderte der Käse einen eigenartigen Geruch ab, der so intensiv war, und so beissend, dass er sich in der Nase festsetzte, ja festbiss und man ihn eine ganze Woche nicht mehr los wurde. Deshalb musste Zacharias selbst bei dem scheinbar Unbedeutesten seiner neuen Freunde, immer ganz bei der Sache sein, wenn er seine empfindliche Käsehaut abrubbelte. Er musste dann die Streitereien zwischen Inge und dem Kraftfeld ausblenden, ob das Kraftfeld schon wieder alles ausgesaugt hatte etc.. Und er musste das schwarze Loch vorher mit Gedanken versorgen, auf denen es herumkauen konnte, damit es aus Langeweile nicht wieder irgendetwas verschluckte, während Zacharias mit Käsepflege beschäftigt war.

Immer wenn Zacharias die ganze Tierpflege, so wollen wir das mal nennen, zu viel wird, denkt er an die Zeit zurück, als er noch alleine war, als er auf seine Reflexe vertrauen musste und wenn es mal nicht geklappt hat, die Blicke seiner Lehrerin ertragen musste. Dann fällt es ihm wieder leicht seinen Space Zoo zu lieben. Nur einen Menschen vermisst er, ein ganz kleines bisschen jedenfalls, Oxana. Andererseits macht er sich aber auch keine Hoffnungen, weil sie ihn immer für einen Spinner gehalten hat und viel zu cool für Zacharias war, mit ihren Rollkragenpullovern und ihren brauen Augen und ihrem schimmernden Haar: Oh, Oxi Gennaro!

Aber ein bisschen ärgert er sich auch über Oxana, er hat den Verdacht, dass, wenn die wüsste, was bei ihm abgeht, dann würde sie sich bestimmt für ihn interessieren. Kurz denkt er darüber nach, ob er nicht mal ein bisschen flexen will, aber dann fällt ihm wieder ein, wie empfindlich seine neuen Freunde sind. Selbst der Käse würde anfangen zu sprechen: Sag mal, ich dachte wir sind Freunde, und jetzt benutzt du mich, um vor diesem Mädchen anzugeben?

Und wenn Zacharias dann nur ein falsches Wort sagen würde, was den Käse beleidigen könnte, wahrscheinlich ist er sehr empfindlich dafür, wenn jemand ihn überflüssig findet, oh ha, das könnte was werden.

Aber natürlich ist Oxi nicht entgangen, das sich da etwas bei dem netten Spinner getan hatte. (Eigentlich will sie von Zacharias nicht Oxi genannt werden). Als Zacki an ihr auf der anderen Seite des Gangs vorbeischleicht, während sie gerade mit dem Zahlenschloss an dem Spint beschäftig ist, sagt sie ohne aufzusehen: Zacharias, wo gehst Du hin?

Zacharias: Ach, ich habe heute schrecklich viel zu tun.

Zacharias ist stolz auf diese Antwort, das hat sie nun davon, wir brauchen sie nicht mehr. Aber leider hat er im Abservieren nicht so viel Übung und kommt nur noch einen Schritt weiter bevor er ganz kleinlaut den für einen Aussenstehenden völlig sinnlosen Satz von sich gibt: Ich muss noch ein schwarzes Loch füttern.

Wenn Zacharias versucht haben sollte, sie so los zu werden, dann hat das schon mal so überhaupt nicht geklappt, denn Oxi wendet sich ihm mit einem Schwung zu und sagt: Prima, ich wollte auch mit meinem Neutronenstern gassi gehen.

Erst, einen kurzen Augenblick, prall gefüllt mit waaahnsinniger Freude, fühlt sich Zacharias wie erlöst. Super, sie hat auch solche Haustiere, vielleicht können wir Pflegetips und Fütterungspläne austauschen. Aber dann wird ihm klar, dass Oxi Psychologin werden will, wie ihre Mutter und ihr Vater. Die denkt, du hast ne Schacke. Du sollst ihr kleines Psycho Meerschweinchen werden. Da wird Zacharias so richtig sauer und denkt sich nur: Na warte.


Der zweite Magen

Oxana tut so, als findet sie das, was da Zacharias über sein neues Haustier sagt, ganz vernünftig: Du meinst, wenn man ein schwarzes Loch hat, muss man nicht mehr aufräumen?

Zacharias wundert sich, woher er plötzlich den Mut nimmt so aufzudrehen, aber er wendet sich ihr zu, die immer noch in der Tür seines Zimmers stehen geblieben ist, kommt ihr ganz nah und sagt betont leise: Ganz gleich was Du in das schwarze Loch hineinwirfst, es kommt nicht wieder zurück, nie wieder.

Und wenn sich sein Vater nicht so durch die Prügelanfälle diskreditiert hätte, dann würde sich Zacharias noch an seine Warnung erinnern: Erzähl es niemanden.

Oxana jedenfalls ist schwer beeindruckt: Ach ja.

Zacharias: Das macht natürlich einen gewissen minimalistischen Stil aus. Du hast nur das Nötigste, eine Matratze, eine Lampe, das reicht.

Oxana staunt nicht schlecht, denn Zacharias Zimmer ist total zugerümpelt.

Zacharias folgt ihrem Blick und sagt grossspurig: Verstehst Du nicht?

Oxana nickt: Doch, doch.

Zacharias: Du musst es nicht wirklich tun, Du kannst so weiterleben wie bisher, als ob nichts geschehen wäre, als ob nicht ein Schwarzes Loch dein bester Freund geworden wäre, es passiert hier oben (Zacharias tippt sich an die Stirn). Nur hier oben. Und Du weisst, Du kannst es jederzeit tun.

Oxana ist wirklich beeindruckt und nickt wie ein Wackeldackel.

Zacharias legt so richtig los: Es gibt die Legende über einen Sänger, der einen weissen Kreis auf dem Boden seines Zimmers hatte und alle haben sich gefragt, was dieser verdammte Kreis wohl zu bedeuten hatte, weil bei ihm alles etwas zu bedeuten hatte. Du kennst doch die Geschichte, oder? (Oxana nickt erst begeistert, dann schüttelt sie frustriert, sich eines besseren erinnernd, den Kopf. Zacharis nickt ihr aufmunternd zu, was soviel heissen soll wie: Ist nicht so wichtig.) Und als er 30 Jahre alt geworden ist, da haben sie ihn gefunden, von der Decke hängend, genau in diesem beschissenen Kreis.

Oxana haucht: Krass.

Zacharias: Und jetzt stell dir mal vor, Du hast ein schwarzes Loch, das kann so klein sein (er zeigt einen Spalt zwischen Daumen und Zeigefinger, den man gar nicht mehr sehen kann) und das ist ein bisschen verspielt, noch ganz jung, und will sich überall verstecken und stell dir nun mal vor, Du trittst da rein.

In diesem Moment schmiegt sich Oxana hilfesuchend an Zacharias an, der nun das erste mal etwas dummes sagt: Das habe ich nicht gewollt.

Oxana: Aber ich, ich habe das gewollt.

Zacharias weiss gar nicht, was er sagen soll, so viel Gutes ist auf einmal geschehen, sein Vater bei den Anonymen Alkoholikern, ein Kraftfeld als Freund, was ihn beschützt, ein verrückter Ausserirdischer, der ihm Spielzeug mitbringt, um das ihn die Supermacht des Planeten beneiden würde, und jetzt noch Oxana in seinen Armen. Das ist einfach zu viel. In diesem Moment fliegt die andere Tür zu dem Durchgangszimmer auf, und sein Vater steht vor ihm. Es ist alles so irreal, dass er sich für einen winzigen Moment nach einer sogenannten Jachtreise von seinem Vater richtig sehnt, aber was ist das, was hat sein Vater da in der Hand: Ist das ein Tablett mit Limonade und, was ist das...?

Vater: Kinder wollt ihr Pizza und Limo?

Der Vater sieht sich um, und als er keine Antwort bekommt, bis auf Oxana, die ihm scheu zu Begrüssung die Hand reicht, die er kurz ergreift und schüchtern "Hallo" sagt, ist er schon wieder verschwunden.

Auch Zacharias ist nun aufgestanden, macht sich auf zur Tür und murmelt etwas im Herausgehen wie: Bin gleich wieder da.

Dabei wirft er ein Limo Glas um, was ausläuft, worauf er aber nicht achtet, er will nur raus.

Oxana aber sieht erstaunt zu, wie die Limo in einer kleinen Akkredationsscheibe zu einem Wirbel gerührt wird und im Nichts verschwindet. Sie ruft dem flüchtenden Zacharias noch zu: Ich hab dein schwarzes Loch gefunden!

Aber Zacki ist erst mal weg, auf das Klo, nachdenken.

Zacharias braucht eine ganze Weile, bis er sich zusammennimmt, um die Idylle auszuhalten, die da in seinem Zimmer auf ihn lauert. Er hätte jetzt einiges für eine Naturkatastrophe gegeben, wenn es nur alle beide vor der Peinlichkeit gerettet hätte, die ganz bestimmt (da ist sich Zacki sicher) gleich kommen wird.

Aber es ist noch schlimmer. Als er wieder zurück kommt, steckt die Hand von seiner Freundin Oxana im Boden und statt laut zu schreien, kichert sie. Zacki kann nicht anders als sie mit einem Hechtsprung anzuspringen und ihre Hand aus dem Schwarzen Loch zu reissen.

Oxana sagt: Hui.

Zacki kommt auf ihr zu liegen und als er versucht aufzustehen hält sie ihn am Arm fest: Es hat zwei Mägen, einen kleinen äusseren, da kann man wieder heraus, und einen inneren, nur aus dem gibt es keine Widerkehr. Hast Du das gewusst?

Zacki schüttelt den Kopf.

Oxana lässt ihn los: Dein Schwarzes Loch kennt sich wirklich voll krass mit Astrophysik aus.

Zacki nickt.

Oxana: Freunde?

Zacki nickt und krächst plötzlich ein bisschen heiser geworden: Freunde!



Gassi gehen mit einem Schwarzen Loch

Oxana will mit dem schwarzen Loch gassi gehen.

Zacharias: Was meinst Du damit?

Oxana: Na, ein Hund muss doch auch mal raus, am Laternenpfahl riechen, das Bein heben und du weisst schon.

Zacharias: Ich weiss schon?

Oxana: Nun stell dich nicht so dumm an.

Zacharias: Wie willst Du das machen? Es ist ein schwarzes Loch, das ist deshalb schwarz, weil es so schwer ist. Was meinst Du, wenn das jemand auf den Fuss fällt.

Oxana: Nun hör schon auf, ich weiss, dass es Tricks beherrscht.

Zacharias: Tricks?

Oxana: Schweben und so, du weisst schon, so Sachen, die ganz unlogisch sind, wo Du denkst, was erzählen sie uns bloss in Physik für einen Schwachsinn. Nun komm schon!

Zacharias: Und wenn wir erwischt werden?

Oxana: Gibt es etwa ein Gesetz, dass man keine Schwarzen Löcher halten darf?

Zacharias: Wenn die wüssten ...

Oxana: Aber das tun die nicht, genauso ist das mit den Drogen, da gibt es diesen Typ, der erfindet immer neue Drogen, und verkauft sie als Badesalz.

Zacharias: Und wer sich das reinzieht, der verliert seinen Verstand.

Oxana: Siehst Du, Badesalz ist auch nichts anderes als ein schwarzes Loch. Du verlierst den Verstand, er ist für immer weg.

Zacharias: Aber ein Schwarzes Loch kann nicht nur den Verstand wegschlürfen, es nimmt den ganzen GehirnSchlabber gleich mit.

Das schwarze Loch räuspert sich.

Zacharias will etwas sagen, aber Oxana legt ihm die Hand auf die Lippen und sagt: Lass doch das Schwarze Loch auch mal was sagen.

Schwarzes Loch: Wie nennt ihr diese grossen Nüsse, die so schnell hin und her fahren, und von hinten so stinken?

Zacharias: Nüsse?

Oxana: Autos!

Schwarzes Loch schlägt sich vor die Stirn (nicht wirklich, aber ihr wisst schon, was ich meine): Ja, natürlich Autos, ich kann ein Auto wegschlürfen, ohne den Typ wegzuschlürfen, der da drin sitzt.

Zacharias: Quatsch, das geht doch gar nicht.

Schwarzes Loch: Stimmt, einfach ist es nicht gewesen, aber irgendwann hat es geklappt.

Oxana ist ganz aufgeregt: Och komm schon Zachi, sag ja, das wird bestimmt super, wenn du z.B. ein Auto siehst, das in der prallen Sonne steht, und ein Hund ist darin eingeschlossen, dann kannst Du das arme Tier retten.

Zacharias sagt: Moment mal, bin gleich wieder da.

Zacharias geht in die Küche, während er weg ist zwinkert Oxana dem schwarzen Loch zu, als das zurückzwinkert sind die alten Socken von Zacharias vom Sport verschwunden. Das Schwarze Loch sagt peinlich berührt: Hoppla.

Oxana antwortet: Ach, wenn Du das mit dem Schlürfen hinbekommen hast, dann wird das mit dem Zwinkern auch noch was.

Da kommt Zacharias mit einem Ei zurück und sagt zu dem schwarzen Loch: Dann zeig mal was Du kannst.

Das Schwarze Loch sagt: Das kann ich nicht ausbrüten.

Zacharias: Das sollst Du auch gar nicht, Du sollst das Eiklar von dem Eigelb trennen.

Das Schwarze Loch stellt sich doof: Das mit dem Eiklar ist mir sehr unklar.

Zacharias: Du weisst doch genau, was ich will, hör doch mit dem Scheiss auf.

Oxana: Wieso müsst ihr Jungs immer aus allem einen Wettkampf machen, statt einfach nach draussen zu gehen und das schöne Wetter geniessen, ein Eis essen.

Sanft schiebt Oxana Zacharias nach draussen.

Zacharias: Und wie wollen wir in die Stadt kommen?

Oxana: Wir fahren mit dem Fahrrad, so bin ich auch zu Dir gekommen.

Zacharias: So, und bei wem fährt das Schwarze Loch mit.

Oxana: Natürlich bei mir, siehst Du, ich habe da so einen praktischen Korb.

Zacharias zum Schwarzen Loch: Du bekommst das hin, dich leicht zu machen? Nicht das du dich wieder erschreckst?

Schwarzes Loch: Was sollte mich schon erschrecken?

Weil Zacharias oben im Wald auf den Bergen wohnt, ist es fast so, als würden sie nicht mit einem Fahrrad, sondern mit einem kleinen Motorrad in die Stadt fahren. Zacharias hat schon Tempo fünfzig und mehr erreicht.

Auf halber Strecke flüstert Oxana dem schwarzen Loch zu: Wenn ich es dir sage, könntest Du dich ein ganz kleines bisschen schwerer machen?
Schwarze Loch: Na klar.

Oxana ruft Zacharias zu, der vor ihr fährt: Wettrennen! Wer zuerst auf dem Supermarktparkplatz ist.

Zacharias schaltet hoch, dreht sich um und ruft Oxana zu: Keine Chance.

Oxana beugt sich zum schwarzen Loch runter: Ein kleines bisschen schwerer.

Kaum hat sie das gesagt, wird ihr Haar und sogar ihre Lippen Richtung Schwarzes Loch gezogen und das Fahrrad nimmt ordentlich Beschleunigung auf. In leichter Panik ruft sie: Schweben!

Zacharias dreht sich fragend um, da zieht Oxana an ihm vorbei und brüllt: No time for Losers!

Mit Leichtigkeit zieht Oxana an ihm vorbei. Zacharias muss sich ganz schön anstrengen, um gleichzeitig mit ihr auf dem Parkplatz anzukommen, und Oxana muss sich mit ihren abgefahrenen Bremsbelägen ganz schön anstrengen, ihr Fahrrad zum Stehen zu bringen. Es quietscht mörderisch, dass es in den Ohren klingelt, als die beiden vom Fahrrad absteigen. Lässig schwebt das schwarze Loch hinter Oxana her.

Zacharias ahnt nichts gutes: Und was machen wir jetzt?

Oxana: Nun tun wir etwas für das Klima.

Zacharias: Haben wir das nicht schon eben getan, immerhin sind wir Fahrrad gefahren?

Oxana lächelt Zacharias an: Nicht so bescheiden.

Zacharias bleibt stehen und sagt resigniert: Ich glaube, ich weiss, was Du vor hast.

Während sich die Drei noch auf dem Supermarktparkplatz umsehen, steigt ein gut druchtrainierter Hundebesitzer, mit extrem verkürztem Haarschnitt aus seinem SUV. Als ein Mastiv freudig mit dem Stummelschwänzchen wedelnd ihn begleiten muss, klärt der Halter (von Auto und Hund) die Lage durch eine herrische Armbewegung: Mach Platz!

Und schon fliegt die Tür zu. Und der Typ ist hinter einem Van in der nächsten Autoreihe verschwunden.

Oxanas Aufmerksamkeit ist durch das satte Geräusch der zugeschlagenen Tür aufmerksam geworden: Sieh nur, das ist schon ein geiler Wagen, wieviel PS hat der wohl?

Zacharias: Der steht auf dem Behindertenparkplatz!

Oxana: Weil der so schön nah an der Kasse ist. Siehst Du hier irgendwo einen Berechtigungsausweis.

Zacharias: Der ist ihm bestimmt runter gefallen oder so.

Oxana: Einen Aufkleber? Hm? Eine Rampe?

Zacharias: Es gibt ganz kleine Rollstühle, echt jetzt, die kannst Du so auffalten.

Oxana: Oh, wie niedlich, so ganz winzig kleine Rollstühle, echt jetzt?

Zacharias stellt sich vor das SUV und breitet die Arme aus und sagt: Bitte nicht.

Oxana schüpft unter seinen Armen durch: Sieh nur ein Hund.

Zacharias: Das ist ein Wackeldackel.

Oxana: Um so besser, meinst Du etwa ich bin so herzlos und probiere das mit einem echten Hund aus?

Oxana steckt die Finger in den Mund und pfeifft nach dem Schwarzen Loch. Das Schwarze Lock postiert sich hinter dem Auto und sagt: Soll ich, echt jetzt?

Oxana nickt nur freundlich.

Zacharias will protestieren, aber Oxana zieht ihn von dem Auto weg und schreit ihn bei dem Lärm, der nun entsteht an: Das ist gefährlich, bist Du lebensmüde?

Das verdammte SUV ist komplett verschwunden.

Zacharias ist genervt und schlägt die Arme übereinander: Toller Trick.

Oxana sagt zum schwarzen Loch, Du hast den Wackeldackel noch im ersten Magen, oder, komm spuck ihn aus.

Das Schwarze Loch würgt kurz und ein Kühlergrill mit sammt Kuhfänger fällt scheppernd auf die Strasse.

Zacharias: Der Wackeldackel ... hm.

Oxana applaudiert: Du weisst gar nicht wie schwer das ist, der Kühlergrill ist doch schon ein Anfang.

Zacharias schüttelt den Kopf.

Oxana flüstert dem schwarzes Loch zu: Sieh doch mal in deinem Vormagen nach, vielleicht findest Du da noch den Hund.

Das Erste was ihnen auffällt, wie der Kopf von dem Hund eigenartig vergrössert ist, na ja, das kann vorkommen, ist bestimmt so ein Physikalisches Phänomen. Als sich dann der Mastif aus dem Vormagen des schwarzen Lochs knurrend befreit hat, kommt er ganz langsam wie in Zeitlupe extrem boshaft knurrend auf Zacharias zu, der zeigt in Richtung des schwarzen Lochs, so als wollte er jede Schuld von sich weisen.

Oxana tadelt Zacharias: Echt jetzt, du schiebst deinen Freunden die Schuld zu?

Zacharias leise und verärgert: Wollte ich etwa dieses Spektakel.

Da geht Oxana auf den knurrenden Kampfhund zu und sagt: Wollten dich dein böses Herrchen im Auto braten?

Sie hält dem Hund die Hand hin, der daran riecht, dann kniet sie sich nieder, was eigentlich bei der Grösse des Hundes überhaupt nicht notwendig ist, und streichelt den Kampfhund.


Ein total durchtrainierter Typ kommt auf den Parkplatz: Scheisse, wo ist meine Karre. He, habt ihr gesehen wer mein Auto gestohlen hat?

Oxana springt auf das Fahrrad und pfeifft nach dem schwarzen Loch und ruft zu Zacharias: Nun komm schon, wenn Du das Muskelmann nicht erklären willst?

Zacharias schwingt sich auf sein Fahrrad und fährt hinterher. Er versucht einen lockeren Spruch zu machen: Gelehrig sah der nicht gerade aus.

Oxana sieht ihn während der Flucht noch tadelnd an und sagt gönnerisch: Ist schon O.K.

Zu dem Hund sagt sie: Na komm schon Dicker, komm mit.

Der Hund zögert keinen Augenblick um seinem Herrchen zu entkommen.

Zacharias ist noch empört über ihre gönnerische Art: O.K.? Was ist O.K.?

Oxana brüllt während der Typ immer noch hinter ihnen herrennt, sie müssen ganz schön in die Pedalen treten: Du hast gezögert.

Zacharias: Das nennst Du zögern? Ich habe nur überlegt, mein Gehirn benutzt.

Oxana: Und hat es dir etwas genützt?

Da fällt Zacharias nichts mehr ein.

Oxana: Siehst Du, und wenn Du dein Gehirn das nächste mal benutzt, dann weisst Du auch, dass du heute gelernt hast, das Zögern überhaupt nichts nützt.




Die Wunschwolke und der verschwundene Onkel

Zacharias will heute nichts besonders machen, das hat er sich fest vorgenommen. In letzter Zeit passiert immer etwas besonderes, da wünscht sich Zacharias mal nur für einen Tag, die gute alte Langeweile zurück, von einem Kind, was alleine mit seinem Vater im Wald wohnt. Die schweren dumpfen Explosionen des Steinbruchs, die oft von eine leisen Klirren der Gläser im Schrank begleitet werden, waren die einzige wirkliche Abwechslung. An solchen langweiligen Tagen hat sich Zacharias gegen abend immer zum Steinbruch geschlichen, um zu fletschern. Denn es ist immer etwas spannend in den Steinbruch zu gehen. Schon allein deshalb, weil alle Erwachsenen einen riesen Aufriss darum machen. Ihr dürft spielen was ihr wollt, aber geht niemals zum Steinbruch. Und wenn ihr eine ganz laute Tröte hört, dann rennt ganz schnell weg und versteckt euch hinter etwas ganz grossen. Und spielt auch nicht mit den schönen roten Stangen, die der Sprengmeister in die Löcher steckt. Tatsächlich hatte Zacharias, als er kleiner war, mal geplant, so eine schöne Stange Dynamit, die ansonsten echt schwierig aufzutreiben ist, abzuzweigen, wenn der Sprengmeister seinen Schutzunterstand aufsucht.

Aber auch früher ist von "Fletschern verboten" nie die Rede gewesen, und doch ist der einzig brauchbare See weit und breit im Steinbruch. Und um dahin zu kommen, muss man es wie die Wildschweine machen, denn für die hat der Förster extra eine kleine Schweinklappe im mit Stacheldraht gesicherten Zaun gelassen. Nachdem Geierscheisse verschwunden war, ist er oft hier gewesen. Aber das ist ja nun auch schon eine Weile her.

Eigentlich wollte er immer mal mit Oxana hier her kommen und ihr zeigen, wie alles angefangen hat. Aber die redet viel zu viel. Vor allem mit ihrem Onkel. "Mein Onkel ist ein Mogul", hat sie gesagt, aber verstanden hat Zacharias nur Mongole. Das Einzige was ein Mongole damit zu tun hat, das ist eine Verbindung über Star Treck (TM). Haben sie da nicht für einige Weltraumvölker die Religion und die Bräuche der Mongolen verwendet?

Aber viel mehr Sorgen als über Oxana macht er sich über das schwarze Loch und seinen verdammten Vormagen. Das nutzt es nämlich schamlos aus, dass das Wild es nicht wittern kann und fängt alles mögliche, nur weil ihm langweilig ist. Ob es der Dackel vom Förster ist, oder ein gestresster Waschbär. Zacharias hat schon Angst mal einen Kinderwagen da raus zu ziehen oder seinen betrunkenen Vater. Auch hat Zacharias das Gefühl, das sich in dem Vormagen des Schwarzen Lochs noch andere Dinge befunden haben. Früher hätte er gedacht, dass er spinnt, aber jetzt ist ihm so, als ob etwas unter seinem Bett leben würde. Greifen kann man es nicht, und doch ist es da, und als er mit der Taschenlampe unter das Bett geleuchtet hat, war da nur ... ja, wie soll ich es sagen ... eine Art Wolke. Als er dann das Fenster aufgemacht hat, um diesen Nebel abziehen zu lassen, da konnte er es spüren, dass das dem Nebel gar nicht gefiel, und so hat er das Fenster wieder geschlossen. Was er am nächsten Morgen bereut hat. Denn Zacharias hatte einen eigenartigen, gar nicht unangenehmen Traum, er wäre eine Walnuss, die total gemütlich in ihrer Nussschale steckt, während es draussen total ungemütlich ist und immer nur regnet und so.

Das Eigenartige war, als er wieder aufgewacht ist, war er noch in dem Traum gefangen. Obwohl sein Zimmer immer noch ein Zimmer war, und keine Nussschale, hatte es sich doch in die Richtung einer Nussschale entwickelt, mit kleinen Kammern für den Walnusskern. Auch eine Tür konnte er nicht mehr finden. Ausserdem war da überall diese eigenartige Wolke, kroch heimlich vor seinen Mund, um sich von ihm inhalieren zu lassen. Und mit jedem Atemzug wurde der Traum wirklicher. Und die Wolke fing an zu sprechen: Hallo, ich bin die Sylke, ich gehöre jetzt Dir, wolltest Du nicht schon immer eine Wolke haben, ich bin jetzt deine Wolke. Hab keine Angst, Du brauchst mich nicht füttern, ich bin ein harmloses Haustier, was sich sein Essen selbst sucht, hast Du das verstanden Zacharias?

Zacharias: Tu mir einen Gefallen, verschwinde von meinem Mund.

Sylke: Ich tue dir jeden Gefallen und deshalb bleibe ich ganz nah bei dir.

Zacharias: Ich sage aber, Du sollst gehen!

Sylke: Ich höre nicht auf das was Du sagst, ich höre auf das was Du fühlst.

Zacharaias: Hast Du das gefühlt? Nein, nicht? Ich habe ganz deutlich gefühlt, dass Du verschwinden sollst!

Sylke die Wolke: Das hast Du nicht, das Gegenteil ist der Fall, Du bist neugierig geworden. Das war heute morgen.

Während Zacharias auf dem Weg zum Steinbruch noch darüber nachdenkt, was es jetzt mit dieser Wolke auf sich hat, ist er endlich am See angekommen. Erst jetzt fällt ihm auf, dass man in einem Steinbruch einfach keine richtigen Steine zum Fletschern findet. Überall gibt es nur diesen feinen Split, aber zum Fletschern braucht es schöne platt geschliffene Kieselsteine. Richtig geworfen springen die so oft über das Wasser, dass man es schon gar nicht mehr zählen kann. Das einzige was Zacharias findet, ist ein altes Brett, damit klappt das Fletschern zwar auch ganz gut, wenn man sich wie ein Kugelstosser dreht und es auf das Wasser platschen lässt, ein Wunder ist es aber nicht, wenn das Brett nicht untergeht. Auf dem Rückweg aus dem Steinbruch fragt sich Zacharias, wohin Sylke eigentlich verschwunden ist. Denn er hat sie schon gestern nicht mehr unter seinem Bett gesehen. Und das Schwarze Loch hat so getan, als ob es überhaupt keine Ahnung hat, woher Silke eigentlich gekommen ist. Das ist wieder typisch, Zacharias würde darauf wetten, dass es aus dem Vormagen des schwarzen Lochs stammt. Und wo Sylke die Wolke jetzt ist, das kann sich Zacharias auch denken.


Zacharias nimmt sich vor mit Oxana zu reden, was für Potential diese Spielsachen haben, und dass wir jetzt, wo Geierscheisse Weltraumurlaub macht, beide gut auf die Spielsachen aufpassen müssen.

Als er aus dem Wald kommt, kann er schon von weitem Oxana sehen und als er näher kommt, sieht er auch Sylke, wie sie über Oxana schwebt. Zacharias zieht seine Jacke aus und wedelt damit herum, bis Sylke verschwunden ist.

Oxana sieht Zacharias erstaunt an, dann riecht sie so beiläufig, wie es irgend geht, an ihrer Achsel: Findest Du dass ich stinke?

Zacharias: Ich wollte nur die Wolke verscheuchen.

Oxama sieht Zacharias neugierig an, scheint ihn aber nicht richtig verstanden zu haben und sagt: Noch so ein Spielzeug?

Zacharias nickt und sagt: Ich wollte noch mit dir darüber sprechen, und wie wichtig es ist, dass wir das nicht so rumerzählen, mit diesen Spielsachen.

Zacharias sieht Oxana ernst an, die muss grinsen und er fragt nur: Was?

Oxama legt Zacharias die Hand auf die Schulter: Du kannst dich immer auf mich verlassen, solange du mich mit guten Stricken an den Mast gefesselt hast.

Zachi: Hä?

Oxana: Odysseus und die Sirenen, Schrägstrich Verlockungen (sie sieht Zachi fragend an)

Zachi: Ich weiss, wer das ist, ich kenne das Märchen.

Oxana: Märchen, lieber Zacki, das ist kein Märchen, Du brauchst wirklich gute Stricke, denn ich kann mich aus allem wieder rauswinden.

Zacki: Was willst Du mir damit sagen?

Oxana: Nun, wenn Du auch nur ein bisschen Menschenkenntnis hättest, dann hättest Du mich nicht so in Versuchung geführt.

Zacki: Hm?

Oxana: Du weisst doch, ich habe diesen Onkel.

Zacki: Den mit der Tankstelle?

Oxana: Nicht nur eine Tankstelle, es gehört schon mehr dazu.

Zacki zieht seine buschigen Augenbrauen hoch (Hatte ich das noch nicht erwähnt? Die buschigen Augenbrauen sind echt beeindruckend. Auch wenn sie Zacharias ein bisschen peinlich sind.)

Oxana: Ja, Du weisst doch, hast Du erst eine Tankstelle, brauchst Du noch eine Leitung ...

Zacki: Eine Pipeline?

Oxana: Genau, oder Du machst es anders, dann brauchst Du Schiffe ...

Zacki: Tanker?

Oxana: Ja genau.

Zacki: Und am besten gehört dir auch noch die Ölquelle, oder?

Oxana: Das kann nicht schaden.

Zacki: Das kann schon schaden.

Oxana senkt den Blick: Stümmt. Das musst Du mir nicht sagen, aber wenn Du eine Infinity Machine hast, die hast Du doch noch, oder? (Zacki nickt), dann brauchst Du kein CO2 mehr in die Luft blasen.

Zacki: Und da ist dein Onkel der Richtige? Weil er weiss, wie man es anstellt, dass man die Ölquelle auch behalten kann.

Oxana: Ich freue mich das Du das so siehst, aber ...

Zacki: Wer nimmt es wieder deinem Onkel ab?

Oxana: Da habe ich jetzt auch drüber nachgedacht. Manchmal bin ich etwas voreilig.

Zacki: Wenn man dich nicht angebunden hat.

Oxana: Ich finde es gut, dass Du einsiehst das die Schuld auch ein ganz kleines bisschen bei Dir liegt.

Zacki: Du meinst, wir sollten was unternehmen?

Zacharias zeigt auf seine Schnürsenkel und sieht Oxana fragend an.

Oxana: Ich glaube, wir brauchen jetzt etwas anderes.

Das scheint Wunschwolke Sylke als so einen Ruf aus dem Unterbewussten verstanden zu haben. Denn jetzt wo sie beide abgelenkt sind, schleicht sie sich heimlich an. Geschickt nutzt sie die Dämmerung aus, und dass Zacharias in seinem Zimmer noch kein Licht angemacht hat, um die Münder der beiden zu umschmeicheln.

Ein paar Atemzüge tun die beiden nichts, sehen sich nur um, bekommen das Gefühl, das irgendetwas gerade im Gange ist.

Zacki: Hörst Du auch den Hubschrauber?

Oxana greift nach dem Kraftfeld und pfeifft das schwarze Loch ran.

Oxana flüstert dem schwarzen Loch zu: Du versteckst Dich vor der Tür.

Dann schubst sie Zacki in den Sessel und sagt: Und du trinkst deinen Tee.

Zacki: Und wenn sie hier gleich durch die Fenster springen?

Oxana: Wir haben nichts getan.

Der Helicopter wird lauter.

Zacki und Oxana blicken Richtung Decke. Bange Sekunden vergehen, der Helicopter fliegt weiter.

Kurz bevor die beiden aufatmen können lässt sie das Klingeln an der Tür aufschrecken.

Zacki will das schwarze Loch wegschicken oder Oxana flüstert durch die Zähne: Du bleibst hier und rührst dich nicht vom Fleck.

Dann wendet sie sich an Zacki: Und Du machst die Tür auf, mit einem Schwung, es soll eine Überraschung sein.

Es klingelt noch mal, Oxana flüstert: Nun mach schon, sonst rammen sie dir die Tür ein.

Und dann ging es alles ganz schnell, Zacki reisst die Tür auf, Oxana reisst die Augen auf und sagt "Onkel". Der Onkel altmodisch und wirklich vertrauenserweckend mit Nadelstreifen und Gammaschen schreitet forsch über die Schwelle und ist schon verschwunden, im schwarzen Loch, was da auf ihn gelauert hat.

Oxana ist geschockt: Mein Onkel, Dein Ding hat meinen Onkel gefressen.

Zacki: Du hast es doch dort hin geschickt.

Oxana: Aber da wusste ich noch nicht, dass er es ist. Ich dachte da kommt irgendeine Bande.

Zacki: Vielleicht ist es gar nicht so schlimm. Schwarzes Loch sag mal, in welchem Magen ist der Onkel?

Oxana schöpft Hoffnung und sagt zum schwarzen Loch: Hast Du ihn nicht ganz verschluckt, oh, das wäre ja super, komm, sei brav spuck ihn wieder aus.

Das schwarze Loch: Oh tut mir leid, aber ihr habt doch gesagt ...

Zacki: Hast Du auch überall in deinem ersten Magen nachgesehen, der ist doch bestimmt ganz schön gross, so kurz vor der Singularität, da kann man einen Onkel doch schnell mal übersehen.

Das schwarze Loch schüttelt den Kopf: Sorry, aber da ist nichts zu machen.

Oxana bricht in Tränen aus und muss sich von Zacki trösten lassen, da sagt das schwarze Loch: Ah, da ist noch was.

Und spuckt eine Gammasche aus.

Geschockt starrt Zacharias auf die Gamasche, dabei fällt ihm auf, wie eine kleine Wolke aus seinem Mund kommt, so als ob es Winter wäre, und sie wären draussen in der frostigen Luft. Und die Gamasche sieht plötzlich auch ganz anders aus, mehr wie ein Hemd, was er über die Stuhllehne gelegt hat. Zacharias hat sich schnell entschlossen, das Fenster aufzureissen, um die Wolke zu erschrecken. Aber es dauert eine Ewigkeit, wie in Zeitlupe, bis er am Fenster ist und es aufreissen kann. Als es ihm endlich gelingt, ist Sylke die Wolke schmollend unter seinem Bett verschwunden.

Oxana beginnt sich auch zu fangen: Was war das?

Zacharias wiederholt nur die Frage von vorhin: Hast Du deinem Onkel irgendetwas von dem Weltraumspielzeug erzählt?

Oxana fasst sich verstört in ihr verheultes Gesicht: Meinem Onkel? Nein! Was denkst Du denn?

Zacharias sieht Oxana fest an, die überlegt angestrengt, dann holt sie ihre Funke raus: Ich muss ihn mal anrufen, ich habe so das Gefühl, dass etwas passiert ist.

Zacharias hält sie sanft davon ab.

Oxana sieht ihn leicht erschüttert an: Was ist nun schon wieder?

Zacharias sieht sie nur an, als ob das ausreichen würde ihn zu verstehen.

Oxana reicht es scheinbar aus: Noch ein Weltraumspielzeug?

Zacharias zeigt unter das Bett, wo die Wolke gemütlich hin und her wabert.

Oxana sieht Zacharias an: Wer ist das? Ach das ist das Ding, was du vorhin weggewedelt hast, oder?

Zacharias: Das ist Sylke die Wunschwolke.

Oxana braucht einen Moment: Das soll ich mir gewünscht haben? Das mein Onkel in ein schwarzes Loch tritt? Das glaube ich nicht.

Zacharias sieht Sylke tadelnd an und sagt besserwisserisch: Ist wohl mehr so ein Psychoding.

Oxana ist wieder etwas gefasst: Ein Psychoding? Was? Niemals!

Oxana knufft Zacharias in die Seite und sagt: Manchmal kommst Du auf Gedanken.




Freunde?

Oxana und Zacharias schieben die Fahrräder schon eine ganze Weile den Berg hoch, was ganz schön anstrengend ist. Nur gut, dass Zacharias Haus schon in Sicht ist.

Nach einer längeren Pause des vertrauten Schweigens nimmt Zacharias seinen Mut zusammen und sagt: Oxana, willst Du mit mir gehen?

Oxana sieht Zacharias entsetzt an: Aber wir gehen doch schon miteinander.

Zacharias überspielt seine Enttäuschung: Also wir gehen schon miteinander?

Oxana: Ja, sieh nur, wie wir gehen, eben waren wir noch hier und gleich sind wir dort, weil wir miteinander gehen.

Zacharias ist verdutzt: Also gehen wir nicht richtig zusammen.

Oxana: Doch, wir gehen richtig miteinander.

Zacharias: Du weisst doch was das heisst?

Oxana: Natürlich weiss ich das. Aber?

Zacharias: Aber?

Oxana: Du bist langweilig.

Zacharias: Was? Ich bin was? Langweilig?

Oxana: Schon, das bist Du, und das ist auch in Ordnung, Du hattest deinen Stress mit deinem Vater, und willst jetzt deine Ruhe haben, das verstehe ich.

Zacharias: Und das Weltraumspielzeug?

Oxana: Das ist schon super, wirklich, aber ich soll doch nicht nur deshalb mit dir gehen, oder?

Zacharias versteht nichts mehr.

Oxana: Sieh mal, ich dachte ich treffe mal einen Jungen, der surft, oder fliegt mit so einem Fallschirm, einen der sich nicht um andere kümmert, der sich so benimmt, als ob er allein da wäre.

Zacharias: Ich bin doch alleine da.

Oxana: Ach menno, verstehst Du das nicht, oder willst Du das nicht verstehen? Wir sind mehr so was wie beste Freundinnen, verstehst Du?

Zacharias: Weil ich nicht Fallschirm fliege?

Oxana sieht Zacharias ein bisschen verzweifelt an und nickt.

Zacharias: Und was noch?

Oxana: Das kann ich schwer sagen.

Zacharias wird sauer: Probier es doch mal.

Oxana lächelt ihn an: Ja, genau so, wenn Du so bist wie jetzt, dann ist es schon besser.

Zacharias: Wie bin ich denn so?

Oxana druckst herum: Wie einer, der sein Ding macht, und keine Rücksicht nimmt, einer der gefährlich ist, wild vielleicht, ein bisschen wenigstens.

Zacharias: Du sprichst von mir!

Oxana: Ja schon, aber wieder auch nicht, es ist einfach bei dir alles so leicht.

Zacharias: Wie leicht?

Oxana: Ja, Du magst mich und so, alles super, ich muss gar nichts mehr selber machen.

Zacharias: Was willst Du denn machen?

Oxana: Ich will nicht wissen, ob ich dich kriegen kann und so.

Zacharias: Wie und so?

Oxana: Jetzt tu doch nicht so, als ob Du das nicht verstehst. Ich will dass Du dein Ding machst und keine Rücksicht auf mich nimmst.

Zacharias: Nehmen wir mal an, ich verstehe, was Du da sagst, nehmen wir das einfach mal an, was würdest Du dann tun?

Oxana: Im Ernst, soll ich das jetzt sagen, einfach so?

Zacharias gibt sein Bestes um wilder und unberechenbarer zu sein und nickt bestimmt.

Oxana zeigt auf ihn und sagt anerkennend: Du lernst schnell, wirklich.

Zacharias strengt sich an noch schneller zu lernen und sagt noch bestimmter: Was wirst Du tun?

Oxana: Ja, also ich, ich würde dann an dich denken.

Zacharias: Nun sag es endlich.

Oxana wird ärgerlich: Ja, was man so denkt: was macht er nur ... mag er mich auch ... wenn er mich so ansieht.

Zacharias: Und das gefällt dir?

Oxana: Oh ja, das tut es.

Zacharias: Und dann?

Oxana: Wie und dann?

Oxan und Zacharias sind endlich am Haus angekommen lassen ihre Räder ins hohe Gras fallen und gehen ins Haus, Oxana lässt sich erschöpft auf das Bett fallen und Zacharias sinkt in den alten Ohrensessel. Obwohl sie erschöpft sind, will Zacharias es wissen und sie reden weiter. Silke und das Schwarze Loch streiten sich kurz und stumm, wer unter das Bett von Zacharias darf, Sylke hat augenscheinlich gewonnen.

Zacharias: Bleibt es dann so und ende? Du findest nie heraus, ob ich dich mag, das ist tragisch, aber so ist das nun mal: Ende.

Oxana: Nein, natürlich nicht, ich würde versuchen herauszufinden, was Dir an mir gefällt und so.

Zacharias: Und das müsste ich dir dann schwer machen?

Oxana hebt den Kopf und ist empört: So wie du das sagst, da klingt es bescheuert, dabei machen das doch alle so, das ist ganz normal!

Zacharias: Okidoki, alles normal und dann?

Oxana: Und dann, was und dann?

Zacharias wird jetzt auch sauer: Ja, genau, was und dann?

Oxana: Ja, wenn ich Glück hätte, dann würdest Du mich irgendwann mögen.

Zacharias: Und das wäre schön?

Oxana sieht Zacharias ärgerlich an: Ja, das wäre schön.

Zacharias: Aber das ist doch schon jetzt so!

Oxana: Du hast das Ganze nicht verstanden, überhaupt nicht, das sind die Gene von Homo Sapiens. So ist das nun mal, sowas finden wir Mädchen gut, wenn es nicht so leicht ist, wenn sie ihr Stirnhirn gebrauchen müssen, um dich rum zu kriegen und so.

Zacharias: Das ist doch total bescheuert, wieso nimmst Du nicht die Abkürzung? Ich bin doch schon in dich verliebt, und du musst mich nicht mal mehr dressieren. Ich muss Dir sogar ein Geheimnis verraten, wenn Du das hörst, dann willst Du bestimmt nie wieder was mit mir zu tun haben.

Oxana: Hör jetzt auf damit.

Zacharias: Weisst Du was, ich bin sogar stubenrein!

Oxana setzt sich verärgert im Bett auf: Jetzt hör doch mal auf, das ist doch alles Quatsch, wir lassen es so, wie es ist, es ist doch super: Freunde?

Zacharias: Ne, ist nicht, du willst doch, dass ich wilder bin.

Oxana: So wie du das jetzt sagst, klingt es bescheuert, aber ja.

Zacharias: Sylke komm mal unter dem Bett hervor, kannst Du Oxi mal diesen Traum vorspielen, den ich gestern hatte, und wenn Du schon dabei bist, kannst Du mir auch gleich helfen, und ihr ein paar Erinnerungen einpflanzen, an unsere wilde Zeit.

Oxana sieht geschockt wie Silke unter dem Bett hervor wabert, und rennt zum Fenster und reisst es auf und hält sich die Hand vor den Mund und zischt hervor: Du tickst wohl nicht richtig!

Oxana stürmt raus.

Zacharias ruft ihr durch das Fenster hinterher, als ihr Fahrrad durch die steile Abfahrt schon ordentlich Schwung aufgenommen hat: War es nicht das, was Du wolltest?! Wie? Gefällt es dir etwa nicht mehr?

Und von ferne hört er noch Oxana fluchen, kann es aber nicht verstehen, da ist sie weg, ausser Reichweite.


Einen Moment ist es still im Zimmer, dann sagt Silke: Also so klug war das jetzt nicht.

Das schwarze Loch sagt: Das war wirklich hacke blöd von dir Zacki.

Und das Kraftfeld sagt: Also Alter, mich brauchst Du erst gar nicht fragen, ob ich deine Perle hier den Berg wieder hoch schubse, den Scheiss löffelst Du jetzt schön mal alleine aus.


Türknallend läuft Zacharias raus.

Das schwarze Loch schüttelt seine Akkredationsscheibe: Ist doch wahr, Mensch.

Kraftfeld: Aber so was von wahr.

Sylke: Aber eine kleine Unterstützung ...

Kraftfeld: Vergiss es, da muss er selbst durch.

Schwarze Loch: So ist es. Du kannst ihm nicht alles abnehmen, das Leben ist doch kein Wunschkonzert.


Olivia, die geheimnisvolle Bäckereifachverkäuferin

Nur wer auf einem Berg wohnt, der kennt das. Wenn einem alles zu viel wird, wenn man überhaupt nicht mehr weiss, was man tun soll, dann lässt man sich von der Schwerkraft ins Tal rollen. Das macht auch Zacharias heute so. Auch wenn er viel zu dünn angezogen ist. Das ist noch so ein Ding, wenn man auf dem Berg wohnt und die Schule im Tal geht. Man muss immer eine dicke Jacke für die Hinfahrt mitschleppen, wenn man dann Mittags, wenn es warm ist, zurück fährt, braucht man überhaupt keine Jacke mehr, besonders, wenn es wieder bergauf geht. Eigenartig ist, man glaubt jedes Mal, wenn man das tut, dass man an einen ganz neuen Ort kommt, dass es so ist, als würde man einen Stein von der alten Frankenburg, ungefähr 100 Höhenmeter über Zacharis Haus, ins Tal werfen, wo man auch nie ganz sicher sein kann, wo der Stein landet. Manchmal bleiben die Steine einfach mitten auf dem Steilhang liegen, und dann nehmen andere, die gar nicht so eine ideale Form haben, plötzlich richtig Fahrt auf, springen über den umgefallenden Baumstamm und überwinden die kleine Mulde bevor es erneut steil bergab geht. Doch wenn Zacharias das Gleiche mit dem Fahrrad ausprobiert, dann landet er doch jedes mal bei den gleiche 3 Orten im Tal, mit denen er etwas verbindet. Das ärgert ihn. Da hat man die ganze Intelligenz der Evolution, aber wenn es um den Zufall geht, dann ist man selbst einem beschissenen Stein, der ins Tal rollt, total unterlegen.

Doch diesmal will er es anders machen, diesmal will er sich den Stein als Vorbild nehmen, und auch wenn er hier oben an der Ecke auf dem Kirchplatz schon die Bäckerei riechen kann, so wie damals, als er das erste Mal in die Stadt gefahren ist, nur um sich etwas vom Bäcker zu holen, diesmal will er eine andere Richtung einschlagen, aber statt einfach weiter zu fahren, bleibt er stehen, sieht zum Himmel und wie auf Kommando öffnet sich die Wolkendecke und die Sonne kommt raus um ihn zu wärmen. Er sieht das als Zeichen, nicht in die warme Backstube gehen zu müssen, um sich nach der rasanten Talfahrt aufzuwärmen. Aber was tut er da? Setzt sich auf die Bank, setzt sich ein wenig schräg hin, damit ihm die Sonne direkt ins Gesicht scheinen kann. Ein alter Trick, wenn man die Augen schliessen will, mitten in der Stadt, um sich seinen Tagträumen hinzugeben. Er sollte jetzt dem wilden Willen des Steins folgen, und das probiert er auch mit geschlossenen Augen, er versucht rauszufinden, wo er sich von dem Gefälle hintragen lassen könnte, wenn er nur ein Stein wäre. Aber alles, was ihm dazu einfällt ist dieses eine Mal, als er zum Bäcker gegangen ist, an das er schon öfter gedacht hat.


Damals hat er versucht sich damit rauszureden, dass es nach Hefekuchen mit Pflaumen und Streuseln gerochen hat, er versuchte sich damit herauszureden, dass es mit der warmen Backstube zu tun hat, wo er sich aufwärmen kann. Und auch mit dem Geld, was er in seiner Hosentasche klimpern hört. Sein Vater hat es ihm zugesteckt. Das hat vor ein paar Monaten angefangen. Überall findet Zacharias Geld in den Hosentaschen, sogar in seiner Turnhose.

Während Zacharias noch in Gedanken bei dem Taschengeld in seiner Turnhose ist und welchen Nutzen das haben soll, betritt er die Backstube. Erst jetzt erinnert er sich daran, wie das abläuft, wie Olivia, diese verwirrende Bäckerreifachverkäuferin aus Österreich auf ihn wirkt. Als hätte er einen Heizstab verschluckt, knallrot läuft er an, wenn er nur daran denkt. Dann kühlt er sich selbst vorher runter, achtet darauf, dass er nicht überhitzt vom Fahrrad in die warme Backstube von Olivia steigt. Aber dieser kleine Schreck, der ihn überkommt, der scheint schon auszureichen. Obwohl er seinen Puls nicht weiter hochtreibt, als es ein winziger Hügel kann, mehr ein Haufen vielleicht, steht er wieder da und hat eine Bombe.

Olivia blickt etwas missmutig von ihrer Lektüre auf, weil sie wahrscheinlich einen alten Schlawiner erwartet, der sie mit Donauwellen nervt und immer etwas mit Zuckerguss kauft, diese Sau. Und dann glaubt er noch, sie merkt es nicht. Zacharias, besonders in seiner Erscheinungsform als wandelnde Erdbeere ist da ganz anders. Er ist hoch willkommen. Natürlich hat Olivia schon mal drüber nachgedacht, ob auch Zacharias mal so ein Zuckerguss Typ wird, aber da macht sich Olivia keine Sorgen, Zacharias wird es schon schaffen mit ein bisschen Hilfe.

Schon als er das erste Mal diesen Erdbeekopf bekommen hat, hat sie seine Behandlung übernommen. Erst hat sie ihn geneckt, als sie ihn mal erwischt hat, dass er ihren Namen weiss: Olivia, nein, das ist Olivia (sie zeigt auf ein Ciabata mit Oliven drin), aber ich bin doch nicht Olivia, oder doch? Was meinst du? Ausserdem weiss ich ja gar nicht, wie Du heisst.

Zacharias: Zchrias.

Olivia reicht ihm die Hand über den Tresen und sagt: Das probieren wir noch mal, Olivia, angenehm.

Zacharias: Zachrias.

Olivia lässt seine Hand nicht los, die augenblicklich schweissnass wird: Soll ich schon mal raten, oder willst Du es mir noch einmal verraten, wie Du heisst, hm?

Zacharias presst heraus: Zacki

Olivia runzelt die Stirn: Zacki?

Zacharias: Freunde sagen Zacki.

Olivia hält die Hand immer noch fest und sagt gedankenverloren: So tun sie das, die Freunde, Zacki?

Zacharias wird noch röter

Olivia wundert sich, dass sich das Rot noch steigern liess und probiert noch was aus: Ich sage aber lieber Zacharias, kann ich trotzdem dein Freundin sein?

Olivia lässt Zacharias Hand los und sieht ihn fasziniert an und Zacharias zeigt einen Mut, den nur richtige Helden kennen und sagt: Was ist?

Olivia: Ich weiss nicht, ob du das weisst, aber Du kannst ganz schön rot werden.

Zacki: Weiss ich.

Olivia: Ich habe mich gewundert, weil es eben noch stärker geworden ist, so als ob Du beleuchtet wirst von innen.

Zacki schluckt: So fühlt es sich auch an.

Olivia: Danke für das Kompliment.

Zacki: Wie?

Olivia: Du hast doch gesagt, dass ich es mitfühlen kann.

Zacki versteht nicht mehr viel, ist immer noch geschockt, wegen der Freundschaftsanfrage von Olivia.

Olivia: Sonst sagen immer alle Freunde, dass ich grausam bin.

Zacki: So.

Olivia: Dabei gehört zum grausam sein doch mitfühlen dazu, oder?

Zacki nickt.

Olivia: So, was darf es denn sein, Du bist ja nicht zum Vergnügen hier oder?

Zacki sagt artig: Nein.

Olivia: Und nun (sie zwinkert) das gleiche wie immer, ein Amerikaner?

Zacki: Nein.

Olivia: Oh, jetzt bin ich gespannt.

Zacki: Croissant.

Olivia will sich bücken, weil die Croissants unten im Rollwagen mit den noch heissen Backblechen liegen, dann überlegt sie noch, dreht sich wieder um und sagt inquisitorisch: Warum die Croissants?

Zacki: Knusprig.

Olivia: Du meinst, Du würdest auch ein Croissant nehmen, wenn es nicht da ganz unten auf dem Blech liegen würden?

Zacki geht langsam die Puste aus.

Olivia spürt das und schaltet wieder in den Pädagogik Modus, während sie sich nach dem Croissant bückt: Mein Chef packt die Bleche extra nach unten, die er schnell abverkaufen will, weisst Du, weil es gibt hier einige Kunden, die mögen es wenn ich mich bücke.

Olivia richtet sich vor Zacharias auf: Magst Du es auch, wenn ich mich bücke?

Zacharias schüttelt vehement den Kopf.

Olivia tütet das Croissant aufwändig ein und setzt das Pädagogik Programm fort: Wir bekommen schon noch gerne Komplimente, das ist dann auch kein Sexismus, nur wir bekommen nicht gerne von allen Komplimente, sie müssen schon etwas wert sein.

Zacharias nickt.

Olivia lächelt ihn an.

Zacharias legt seinen Tascheninhalt in Kleingeld auf den Tresen.

Olivia: Wenn wir lächeln, also richtig lächeln mit lächelnden Augen, dann darf man uns Komplimente machen.

Zacharias nickt.

Olivia streicht das Geld ein und gibt ihm das Rückgeld zurück, lässt aber ihre Hand auf dem Rückgeld liegen, die Zacharias beinahe angefasst hätte, Olivia sagt: Und, lächele ich mit den Augen? ... Du kannst es nur herausfinden, wenn Du mich ansiehst.

Olivia gibt Zacharias noch einen Moment Bedenkzeit und sagt dann ermunternd: Nun?

Zacharias: Muss ich nun Komplimente machen?

Olivia: Ich bestehe darauf!

Zacharias: (ich kann hier nur eine Auswahl wiedergeben) ... dann kommt das Grübchen, was sich beim Lächeln nur links zeigt ... der Haaransatz am Hals ... dieser dünne nur einen Milimeter breite Streifen, den dein T-Shirt über die Jeans rutscht, wenn Du etwas von Oben nimmst (Olivia sagt erstaunt: So, also auch von oben) ... dann die Augenlieder, die kleine Falte dadrauf,

Mittendrin sagt Zacharias: Darf ich weitermachen?

Olivia: Oh, ja, mach nur weiter!

Zacharias: Die weisse Innenseite der Arme, die kleinen Sommersprossen auf der Aussenseite der Arme, die feinen Haare auf dem Arm.

Olivia: Kann es sein, dass ich zu behaart bin, oder hast Du besonders gute Augen?

Zacharias: Perfekte Augen.

Olivia sieht sich Zacharias an: Du hast aber auch schöne Augen, da ist ein bisschen Grün in deinem linken Auge.

Zacharias wird wieder zur Erdbeere.

Olivia: Mist ich habe die Erdbeere wieder angeschaltet, tut mir leid.

Zacharias sagt stolz: Braucht dir nicht leid zu tun.

Zacharias nimmt die kleine Bäckertüte und geht Richtung Ausgang.

Olivia hat das Bedürfnis etwas zurück zu geben: Vielleicht sagst Du nur, was dir nicht gefällt.

Zacharias sieht sie völlig verständnislos an.

Olivia: Was ist nun?

Zacharias: Nichts.

Olivia: Wie Nichts?

Zacharias: Ich finde nichts, was ich nicht mag.

Olivia findet, dass dies ein paar Komplimente zu viel waren, aber das kann sie ja noch das nächste mal behandeln: "Machs Gut Zacharias", ruft sie ihm hinterher.

Zacharias verlässt die Bäckerei mit einer sehr verkehrssicheren Gesichtsfarbe.


Es ist nicht das erste Mal, dass Zacharias diese Begegnung mit Olivia durch den Kopf geht. Aber diesmal hat er das Gefühl, er braucht die Erinnerung als Gegengift für Oxana. Als ihm das klar wird, steht er von der Bank auf, schiebt sein Fahrrad kurz über den Platz und um die Ecke und geht ohne Umstände zu machen, auch ohne sein Fahrrad anzuschliessen hinein in die angenehm warme Bäckerei. Diesmal hat er nicht das Glück das es leer ist, nein, die Kunden stehen Schlange, wahrscheinlich Olivias Verehrer und damit eine Geschäftsgrundlage der Bäckerei, die auf dem Rückweg von der Arbeit noch etwas aus der Bäckerei einkaufen wollen. Zacharias steuert den Stehtisch an, als wollte er einen Kakao trinken. Er erwiedert Olivia freundliches ja fast glückliches Nicken als sie ihn sieht, während sie beschäftigt ist, wie bei einem Ausverkauf. Sie bedient noch ein zwei Kunden, und versucht sich zu beeilen, keine Chance, für zwei bediente Kunden kommen drei neue durch die Tür. Trotzdem unterbricht sie den Verkauf, kommt mit einem nassen Lappen nach vorne um den Stehtisch abzuwischen und eine leere Tasse mitzunehmen: Was darf ich dir bringen, Zacharias?

Wie Zacharias das heute hinbekommt nicht rot zu werden, erstaunt und freut Olivia gleichzeitig. Zacharias sagt mit einem kleinen Nicken: Capucino.

Ein älterer Herr sieht auf seine teure Uhr und sagt: Müssen die jetzt auch noch Kaufmannsladen spielen?

Olivia sieht zu Zacharias, ob er das gehört hat, und scheinbar hat er es nicht mitbekommen und sie beschliesst, den Typen mit einem Manöver abzustrafen, was bei Bäckereifachverkäuferinnen der Goldstandard gegen unangenehme Kunden ist. Die Kuchenrutsche. Dieses Manöver erfordert Übung, weil man den Kuchen so auf dem Papptablett anordnen muss, dass er gut rutscht. Als Anfänger solltest Du versuchen, ein schweres feuchtes Stück, wie einen saftigen Käsekuchen, auf ein Schweineohr zu legen. Am besten eignen sich Zuckergussschweineohren, weil die besser gleiten, als Schokolade, besonders wenn sie kurs vor dem Schmelzen ist. Im Zweifelfall kann man sagen: Ich habe da noch was, das muss weg, ich geb ihnen das mal mit, sie sind ja ein guter Kunde etc.

Die zweite vorbereitende Massnahme für eine gelungene Kuchenrutsche, ist, dass man das Papier über dem Kuchen nur auf einer Seite, fest einschlägt. Man reicht dem Kunden dann den Kuchen an, mit der lose geschlossenen Seite Richtung Kunde und mit einem kleinen Schubs, so als hätte man den Halt für den Kuchen verloren, löst sich die Kuchenlawine und trifft mitten ins Ziel.

Dann sagt man: Oh, Tschuldigung, darf ich erst weiter bedienen?

Natürlich bedient man dann weiter, und wartet ab, bis der getroffene Kunde, sich trollt. Selbst wenn er bleibt und nach 5 Minuten frischen Kuchen verlangt, kann man das Manöver als Erfolg verbuchen.

Und so vergeht die Zeit und Zacharias wird noch nicht mal rot, als ihm Olivia beim Abräumen zuflüstert: Willst Du warten, ich bin gleich fertig?


Zacharias glaubt schon, dass es nur mit Coolness das Problem gelöst hat.

Olivia fragt noch beim Abschliessen der Bäckerei Zacharias: Na was ist? Was ist los?

Olivia sieht Zacharias kurz an: Ich habe nur einen Moment Zeit.

Und dann geht alles ganz schnell, kurz und schmerzhaft: Weisst Du, du erinnerst mich an meinen kleinen Bruder.

Zacharias kämpft gegen die Röte an und denkt sich: Was hat sie da gesagt? KLEINER Bruder?

Olivia: Es war ein Gemüselaster, so ein scheiss LKW, der rechts abgebogen ist.

Zacharias: Oh, das tut mir leid.

Olivia: Das war vor drei Jahren, aber wenn ich dich sehe, dann muss ich wieder an ihn denken.

Olivia wischt sich eine Wimper oder sonst was aus dem Augenwinkel.

Zacharias: Ich wusste das nicht.

Olivia: Ist schon gut.

Zacharias wiederholt sich: Wirklich, das ist übel.

Olivia wischt nun auch an dem anderen Auge rum und Zacharias ist ein bisschen geschockt, und es ist ihm auch ganz gleichgültig, ob er jetzt rot wird oder nicht, er legt den Arm um Olivia und die sagt: Ich bin auch doof, das hätte ich Dir nicht sagen sollen.

Und dann geht alles unglaublich schnell, Zacharias hebt den Kopf, denn das Quietschen von der Fahrradbremse kennt er doch: Oxana?

Oxana sieht Zacharias genervt an und sagt aber nur: Hallo.

Zacharias ist voll überfordert und versteht nichts mehr.

Olivia blickt auf den Boden, ein kleines Lächeln spielt um ihren Mund, sie umarmt Zacharias nur mit einem Arm in dem andern hält sie immer noch das Schlüsselbund und flüstert ihm so laut zu, dass Oxana es auch hören könnte, wenn nicht gerade der verdammte klappernde Gerüstwagen um die Ecke gebogen wäre: Ich kann es schon verstehen.

Und schon ist Olivia weg.

Oxana sieht Zacharias genervt an: Wer war das?

Zacharias: Olivia.

Oxana: Olivia?

Zacharias wendet sich Oxana zu, in seinem Gesicht ist leichter Unwillen, weil er Olivias Satz nicht verstehen kann: "Ich kann es schon verstehen" was meinst sie bloss damit?

Oxana gereizt: Was ist denn?

Zacharias: Ich kann es schon verstehen.

Oxana: Hat sie das gesagt?

Zacharias: Was?

Oxana: Los komm, lass uns noch ein Eis essen gehen.

Zacharias sieht Oxana zögernd an und sie sagt: Na komm schon, die machen gleich zu.


Und tatsächlich müssen sie bis zur Tankstelle fahren, um noch ein Eis zu bekommen, die ist auf der halben Strecke in Richtung von Zacharias Wald.

Bei der Tankstelle spürt Zacharias plötzlich ein Zerren im Nacken, er ist total verspannt, reibt sich den Nacken, als Oxana mit dem Eis rauskommt. Sie ist sehr entgegenkommend, nimmt die Papierhülle ab, wirft sie in den Mülleimer.

Zacharias will sich das Eis in den Nacken halten.

Oxana lacht: He, was machst Du denn da?

Zacharias: Der Nacken, das schmerzt total.

Oxana: Und Eis hilft?

Zacharias reibt sich das Eis in den Nacken und Oxana lacht: He, hättest Du was gesagt, ich hätte die Hülle dran gelassen.

Zacharias: Ach, das mache ich immer so.

Oxana ist das Eis im Mund abgebrochen, sie hat ein riesen Stück im Mund und sagt mit vollem Mund: Wirklich?

Beide müssen lachen.

Oxana sagt immer noch mit vollem Mund: Warte ich hab eine Idee, beug dich mal ein bisschen runter.

Zacharias beugt sich ein bisschen zu Oxana runter, Oxana spielt die Ärgerliche: So und nun nimm mal dein albernes Eis aus dem Nacken.

Bevor sich Zacharias versieht küsst ihn Oxana mit einem wundervoll kalten grossen Fischmund in den schmerzenden Nacken.

Zacharias ist noch verwirrter, denn es fühlt sich verdammt gut an und Oxana nuschelt etwas, ohne ganz von seinem Nacken abzulassen.

Zacharias lässt es drauf ankommen: Was?

Oxana nimmt den Mund aus Zacharias Nacken: Reden oder Kühlen?

Zacharias sieht sie fasziniert an und Oxana legt den Kopf schräg und zieht fragend die Augenbrauen hoch, Zacharias sagt: Kühlen!

Das waren die schönsten Kühlminuten, die Zacharias bis jetzt erlebt hat. Und sie sind so schnell wieder vorbei, wie alles begonnen hat. Oxana ist wieder auf ihrem Fahrrad, dreht noch einmal eine Runde um den verwunderten Zacharias, beide mit einem breiten Lächeln im Gesicht. Oxana ruft ihm noch zu: Also bis morgen.


Im Sog der Suggestion

Als Zacharias zuhause ankommt, macht ihm das Kraftfeld die Tür auf, während das Schwarze Loch ihm eine Suppe kocht.

Den beiden ist nicht entgangen, wie Zacharias zögert von der Suppe zu essen, obwohl er die jetzt wirklich gebrauchen kann. Das Schwarze Loch fragt: He, ist was mit meiner Suppe nicht in Ordung? Das ist die Originale Marokkanische Fastensuppe. Kichererbsen, Petersillienwurzeln, Zwiebeln, Kreuzkümmel, Knoblauch.

Zacharias: Es sind nicht die Zutaten...

Schwarzes Loch: Ach nein, nicht die Zutaten, was ist es denn?

Kraftfeld: Na was Du da alles in deinem zweiten Magen hast...

Schwarzes Loch: Wie jetzt, ein Hygiene Problem, echt jetzt, mein Vormagen ist nicht nur sauber, sondern physikalisch reinst.

Kraftfeld: Meinst Du dass die Erdlinge diese Wort kennen, "reinst"?

Zacharias geht dieses Gezanke auf den Nerv, er möchte nicht seine Erinnerung an Oxana UND Olivia verlieren und um seine Enschlossenheit zu demonstrieren steckt er seinen Löffel in die Suppe.

Kraftfeld: Nun iss schon endlich, Blacky ist nicht auszustehen, wenn man sein Essen nicht aufisst.

Zacharias isst einen Löffel von der Suppe und sagt: Hm, gar nicht übel.

Das Schwarze Loch ist ganz gerührt, sodass Zacharias den Tisch festhält, weil es immer problemtisch ist, wenn das schwarze Loch Gefühlsaufwallungen hat und er wiederholt artig das Kompliment: Wirklich!

Hoppla, da ist der Löffel im Schwarzen Loch verschwunden.

Das Kraftfeld katapultiert ihn mit einem Trick aus dem schwarzen Loch wieder heraus und Zacharias fängt ihn auf, dann sagt es: Schmeckt gut, diese Suppe, oder?

Und ohne eine weitere Antwort abzuwarten sagt es: Das könntest Du jetzt jeden Tag haben.

Das Schwarze Loch bemüht sich zu korrigieren: Nicht nur die Suppe, ich kann gegrillte Paprika, gefüllte Weinblätter mit Zitronensosse, gebackene Pilze, gefüllte Eier...

Kraftfeld an das Schwarze Loch gerichtet: Nun gib doch nicht so an, du störst ihn ja beim Essen.

Kraftfeld an Zacharias gerichtet: Aber es ist wahr, wir könnten alles mögliche kochen, ich meine auch Dinge, die gar nicht im Kühlschrank oder in dieser Speisekammer da sind.

Zacharias: So, noch so ein Trick.

Schwarzes Loch: Wenn Du einkaufen einen Trick nennst...

Zacharias: Wie habe ich mir das vorzustellen, wenn ihr einkaufen geht?

Kraftfeld: Jetzt komm hör schon auf, Du weisst doch wie das bei uns läuft.

Zacharias: Ja?

Schwarzes Loch will etwas sagen aber das Kraftfeld hält es davon ab in dem es eine alte Fernsehzeitschrift in Richtung seine Aggregationsscheibe schleudert, die sich in eine KonfettiWolke verwandelt.

Zacharias ist wieder genervt, dass ihn dieses vorlaute Weltraumspielzeug von seinen süssen Erinnerungen abhält: Dann macht das doch.

Kraftfeld: Das würde wir ja gerne.

Zacharias: Aber? Mensch nun sagt es, spuckt es aus ... oder lieber nicht ... sagt einfach was ihr wollt!

Schwarzes Loch: Wir möchten nur, dass Du die Grundeinstellungen in Ordnung bringst.

Zacharias wird hellhörig: So, die Grundeinstellungen, was meint ihr damit?

Schwarzes Loch: Im Moment ist alles so eingestellt, dass wir für jeden Scheiss, dich fragen müssen, das ist doch nervig.

Zacharias: Was müsst ihr denn fragen?

Kraftfeld stupst Zacharias an, der sagt: He, Sachte.

Kraftfeld: Aber verstehst Du denn nicht, wir hängen hier rum, dürfen das Haus nicht verlassen ...

Schwarzes Loch: Wir müssen sogar fragen, wenn wir auf s Klo müssen.

Zacharias: Das muss ich in der Schule auch. Und ausserdem ...

Schwarzes Loch bitter zum Kraftfeld: Hat er es gesagt?

Kraftfeld beschwichtigt das schwarze Loch: Nein, nein, das hat er nicht gesagt, beruhig dich.

Zacharias: WAS habe ich nicht gesagt?

Kraftfeld: Nun, du weisst schon, was ein Schwarzes Loch ist, oder und was eine Vakuumtoilette ist, das weisst Du auch?

Schwarzes Loch ist empört: Ich war nie eine Raumschifftoilette!

Kraftfeld: Aber die ToilettenWitze magst Du doch auch nicht.

Zacharias: Was wollt ihr von mir?

Kraftfeld: Du weisst schon, dass das ein sensibles Thema ist?

Zacharias: Was geht hier ab, spielt jetzt einer die beleidigte Leberwurst und der andere die Racheleberwurst?

Kraftfeld: Ich bin mir sicher, dass es nicht Leberwurst heisst, sondern Cops: Beleidigter Cop und RacheCop, so heisst das. Übrigens, was ist eigentlich eine Leberwurst, ich meine im kosmischen Massstab?

Zacharias steht auf.

Das Kraftfeld schwebt in seinen Weg, und Zacharias versucht einen Bogen um das Schwarze Loch zu machen und sagt: Ganz schön gefährlich, frei rumzulaufen, oder?

Schwarzes Loch: Wir wollen doch nur einkaufen.

Kraftfeld: Uns ein wenig nützlich machen.

Zacharias: Dann tut das eben.

Kraftfeld zum Schwarzen Loch: Siehst Du, du musst nicht immer alles so schwarz sehen, Blacky, Zacki versteht das.

Schwarzes Loch: So dann musst Du nur noch meinen Automatikmodus wieder einschalten.

Plötzlich schwant Zacharias etwas 'Automatikmodus, da war doch was, was hat Geierscheisse noch mal gesagt, was soll er auf keinen Fall tun?'

Zacharias: Ich muss erst auf 's Klo.

Schwarzes Loch: Ach was solls, warum so umständlich, nimm mich als Klo.

Das Kraftfeld flüstert Zacharias zu: Das ist eine grosse Ehre, versau es jetzt bloss nicht.

Zacharias macht einen Schritt zurück: Ich denkt doch nicht daran, dass ich mein Ding da rein halte, in ein schwarzes Loch.

Kraftfeld zum Schwarzen Loch: Beruhig dich, bitte reg dich nicht auf, er weiss ja nicht was er da sagt, er meint es nicht so.

Zacharias: Und hört mit dem beleidigt-sein Spiel auf, denn wir haben auch einen Spruch, wir Erdlinge, wir haben auch unsere Ehre.

Kraftfeld abschätzig: So?

Zacharias: Ein Leitspruch aller Menschen lautet, wie simpel wir Erdlinge auch sein mögen: Pinkel nie in den Topf in dem du deine Suppe kochst.

Kraftfeld: Ho, ho, hört, hört. Aber Füsse waschen in der Salatschüssel, das ist O.K. was?

Zacharias: Ihr meint meinen Vater, was? Hat er das gemacht? Da war er betrunken, das ist eine Krankheit, den solltet ihr doch in Ruhe lassen.

Kraftfeld empört: Auf einmal sollen wir das, was? Und wenn er wieder in Alkohol eingelegt ist.

Zacharias zu dem Schwarzen Loch: Wenn Du bitte zur Seite gehen würdest, ich will ins Bett.

Schwarzes Loch: O.K. das verstehe ich, schliess eben noch die Grundeinstellungen ab, dann kannst Du schlafen gehen.

Zacharias: Nein, das werde ich nicht tun, Oladron hat es mir gesagt, ich soll niemals die Automatikeinstellung wählen.

Kraftfeld sagt abfällig zum Schwarzen Loch: Hätte ich nicht gedacht, dass der so folgsam ist.

Schwarzes Loch ist endgültig beleidigt: Sollen wir dir das erklären? Nein, nicht? Na dann eben nicht.

Zacharias taucht kopfschüttelnd unter dem schwarzen Loch weg. Und als er schon fast in seinem Zimmer ist, ruft das Kraftfeld: Nichts für ungut, können ja morgen noch drüber sprechen.

Und nach einem kleinen Schubs sagt das schwarze Loch: O.K. Zacki, dann schlaf mal schön.

Und als Zacki endlich im Bett ist reden die beiden noch immer über Zacki und was mit ihm nicht stimmt, dass er das mit den Grundeinstellungen nicht versteht und Zacki brüllt in Richtung Küche: Könnt ihr euch nicht in einer Sprache unterhalten, die ich nicht verstehe.

Danach kommen total nervige modemartige Töne aus der Küche, jetzt ist Zacki echt angepisst und er brüllt so laut, dass sein Vater wach wird: In einer Sprache, die nur ihr hört.

Endlich ist Ruhe, wenn da nur nicht das nervige Laserflackern von ihrer lautlosen Kommunikation an Zackis Decke wäre. Zacki drückt sich das Kissen auf den Kopf, wobei er seine Verspannung wieder spürt und allmählich kommt die Erinnerung zurück: Oxana!

Und endlich versinkt Zacharias in einen tiefen und sehr bunten Traum.


Die liebe Cousine

Jetzt wo Zacharias tief und fest schläft, trotz des Spektakels von seinen neuen Weltraumhaustieren, ist es an der Zeit, dass ich reinen Tisch mache und die ganze Wahrheit erzähle. Keine Angst, das schwarze Loch als Weltraumspielzeug, das gibt es wirklich, auch die andere aussergewöhnliche Alientechnik, aber was Zacharias anbelangt, da habe ich zwar nicht direkt gelogen, aber ich habe etwas weggelassen, um die ganze Situation ein wenig dramatischer darzustellen, ich habe es übertrieben. Besonders, als ich Zacharias so dargestellt habe, als ob er da ganz mutterseelenalleine mit seinem Säufer Vater im Wald lebt und niemand hat, der ihn vor den unberechenbaren Wutausbrüchen seines Vaters beschützt. Es gibt noch jemand, den ich vergessen habe, der vielleicht noch mal wichtig für die ganze Geschichte werden könnte.

Doch nun von Anfang an: Wenn man sich die Schulter ausgerenkt hat, dann begibt man sich am besten zu einem Arzt, oder in ein Krankenhaus. Nur wenn man wie Zacharias einen Onkel hat, der im ganzen Landkreis und darüber hinaus bekannt dafür ist, dass er Gelenke wieder einrenken kann, ohne sie richtig anzufassen, dann fährt man eben zu dem Knochenbrecher. Früher hat Hildes Vater auch noch Tiere behandelt, ja sogar ausschliesslich Tiere. Aber weil er wie sein Bruder, der Vater von Zacharias, glaubt, immer etwas zu empfindlich zu sein, behandelt er jetzt Menschen. Das macht er nicht, weil Menschen besser bezahlen, nein, es sind meist Tierschutzgründe. Aber im Grunde kann er sich gar nicht aussuchen, wen er behandeln will oder nicht, denn die Leute stehen Schlange bei ihm und lassen sich nicht mehr abweisen. Und die meisten bekommen gar nicht mit, wenn er ganz beiläufig ihre Gliedmassen wieder einrenkt. Er macht das bei der Begrüssung, oder er tut so, als würde er stolpern. Und meistens verstehen die Leute gar nicht, dass sie schon behandelt wurden. Das führt zu schrecklich langen Schlangen vor seinem Wartezimmer, vor allen Dingen, weil der Knochenbrecher neugierig ist, sich gerne Geschichten erzählen lässt, z.B. vom Eisdielenbesitzer, wie gutes Pistazieneis gemacht wird. Vom Polizisten lässt er sich erklären, wie die Polizeigriffe gehen. Von einem Kommissar hat er sogar mal Tipps für Mordermittlungen bekommen. Der Knochenbrecher ist vielfach interessiert. Und seine Tochter, die Pipi Langstrumpf nicht unähnlich sieht, und zusätzlich noch sehr grosse Vorderzähne hat, wie ein Pferd, sitzt gerne unter dem Schreibtisch ihres Vaters verborgen und hört den Geschichten zu, wenn sie sich nicht unauffällig unter das Publikum im Wartezimmer mischt. Nur an diesem Tag, da ist es anders, denn an diesem Tag hat sich der komische Cousin aus dem Steinbruch angekündigt, den sie gleich vorlassen soll, so ist die Anweisung ihres Vaters. Zacharias überlegt schon, was er dem wissensdurstigen Onkel alles erzählen kann, und ihm fällt überhaupt nichts ein. Bis er von Hilde freundlich mit einer Kopfnuss begrüsst wird: Na, was geht Klappstuhl?

In dem Moment, wo die Kopfnuss bei ihm einschlägt, weiss Zacharias auch schon, was er dem Knochenbrecher erzählen soll: Etwas über Meteoriten.

Und ich müsste jetzt ausführen, warum Hilde Zacharias Klappstuhl nennt. Aber das führt zu weit, wichtig ist nur, dass sie sich vorgenommen hat, Klappstuhl, alias Zacharias zu mögen.

Das äussert sich darin, indem sie sich vor ihm platziert und ihn konzentriert betrachtet, während sie ein dickes rosa Kaugummi bearbeitet. Das kann sich einige Zeit hinziehen. Und man würde denken, das Mädchen hätte Probleme mit komplexen Situationen, wenn man ausser Acht lassen würde, wie geschickt, sie die Nächsten zu ihrem Vater rein lässt, mal mit einem Zwinkern, dann mit einem Wink, oder einer Verbeugung, jeder weiss gleich, dass sie hier entscheidet. Dabei bestimmt sie die Reihenfolge nach Schwere des Falls. Man kann nicht sagen, dass sie bei der Triage gehässig ist, aber es ist schon besser, sie nicht zu nerven, denn sonst, muss man wirklich lange warten. Im schlimmsten Fall, noch bis Mümmel das Kaninchen, wieder richtig hüpfen kann, dann wird man noch nach den Tieren eingereiht, die immer noch sporadisch vorgestellt werden. Und der Grund ist einfach: sie hält die so Ausgewählten für böse Menschen. Und ihre Begründung: Irgendwo muss es sich doch mal nicht lohnen ein Arschloch zu sein, oder? Und wenn Du den Gedanken weiter denkst, dann wirst Du sehen, dass dies kein schlechter Ort ist, es einmal auszuprobieren, die Arschlöcher abzustrafen. Ich würde jetzt gerne sagen, dass sie zielgenau den oder die Richtige herausfinden kann, der es verdient hat mit einem ausgerenkten Glied einen Tag im Wartezimmer des Knochenbrechers zu verbringen, aber ich glaube, dass es auch mal den Falschen erwischt. Damit sich die Reichen und Mächtigen nicht irgendwelchen Illusionen hingeben, hat sie einige Bilder von den Kandidaten auf ihrer Liste aufgehängt. Unter dem Bild von Obama steht angeblich: I had a drone. Es muss aber in einer Kurzschrift oder einer anderen Geheimschrift verfasst sein, denn lesen kann man es nicht wirklich. Ja, Hilde kann ziemlich nachtragend sein. Natürlich sind das keine normalen Fotos, die hier hängen, das wäre zu einfach, denn dann wären diejenigen ja gewarnt, es sind statt dessen bunte Bilder, wie Kinder sie malen.

Wie bei vielen Dingen, die Hilde so behauptet, sperren sie sich gegen eine schlüssige Erklärung. Denn etwas stimmt mit den Bildern nicht. Jeder, der schon einmal versucht hat, so ein Kinderbild zu malen, der weiss, wie unglaublich schwierig das ist. Besonders das Bild von Obama mit den Drohnen (I had a drone / rote Feuersträusse) könnte genausogut, "meine Amöbe hat Geburtstag" heissen (und bekommt rote Chrysanthemen geschenkt).

Aber was Hilde nicht entgangen ist: Zacharias hat ihr diese Erklärung geglaubt, ja er hat sogar die Bilder abgesucht, ob er sich irgendwo darauf findet, denn irgendetwas muss hier nicht stimmen, sonst hätte ihn Hilde schon vorgelassen. Und das ist wiederum Hilde nicht entgangen, die einen Moment das Kaugummi Kauen eingestellt hat und dann zielstrebig seine Gedanken erraten hat: Ne, Du bist nicht dabei.

Dann ist sie schon auf ihn zugekommen. Zacharias hat sich gleich tiefer in seinen Stuhl gedrückt, weil wenn Hilde sich etwas vorgenommen hat...

Hilde tippt auf die gesunde Schulter: Die Schulter ist es.

Zacharias möchte am liebsten nichts sagen, aber er hat Angst dass Hilde ihm die gesunde Schulter auch noch ausrenkt: Nein die andere.

Hilde lächelt und kneift ein Auge zusammen: Weil Du ein Eispad drauf gelegt hast, soll ich glauben, dass es die andere ist.

Zacharias bekommt langsam Panik: Ich kann noch warten.

Hilde : Sch, sch, ganz ruhig, ich fasse doch nur den gesunden Arm an.

Da geht das Sprechzimmer einen Spalt weit auf und Hilde zwinkert dem Jungen mit seinem Kaninchen zu, der den beiden gebannt zugesehen hat.

Der Junge protestiert: Noch einen kleinen Moment, ich will erst sehen, wie ihm der Arm eingerenkt wird.

Hilde kaugummikauend sieht den Jungen geschmeichelt an: Soll ich dir mal zeigen wie es geht?

Währenddessen dauert das Verabschieden aus dem Sprechzimmer immer noch an, der letzte Patient lässt einfach nicht den Türgriff los.

Da brüllt Hilde unverhofft Zacharias an: Da! Pass auf!

Währendessen packt sie seinen kranken Arm und zieht daran, bis es "Krach" macht.

Der Junge stellt sein Kaninchen in der Transportbox ab, um die Hände für das Klatschen frei zu haben.

Hilde verneigt sich in alle Richtungen, auch in die wehleidige Ecke aus der man öfter leises Klagen hört.

Der Junge ruft: Nochmal!

Hilde : Aber das kann ich doch nicht machen, das Gelenk ist wieder drin.

Nun begeht Zacharias einen folgenschweren Fehler. Er reibt sich die Schulter und sagt: Wie, wieder drin? Ich will sofort zu deinem Vater.

Hilde lächelt ihn an: Aber dazu müsste doch das Gelenk wieder raus sein.

Zacharias steht auf und geht in Richtung der sich öffnenden Tür.

Hilde stellt ihm ein Bein und fängt ihn geschickt wieder auf, wobei sie ihm die Schulter wieder auskugelt.

Der Junge mit dem Kaninchen ist begeistert und applaudiert frenetisch.

Alle anderen sehen Hilde entsetzt an.

Hilde hilft Zacharias auf, wobei sie ihm wieder den Arm einrenkt und aufgeregt sagt: Ich habe es schon wieder getan.



Überraschungsbesuch

Zacharias schlägt die Augen auf, er hat einen schönen Traum gehabt, aber er weiss wirklich nicht, ob es sich um Olivia oder Oxana handelt. Vielleicht ist das auch nicht so wichtig, beginnen doch ihre Namen mit diesem schönen Selbstlaut "O". Zacharias quält ein wenig die Frage, ob er sich entscheiden muss, für eine von beiden. Gedankenverloren blickt er an die Zimmerdecke, dem Tanzen von einem Staubfaden zusehend, spielt er die Manöver der Liebe in Gedanken durch.

Es ist so als ob jemand nach Rosen duftende Nebelgranaten in Zacharias Hirn geworfen hat. Als sich der erste rosa Nebel lichtet, sieht er wie Olivia auf ihn zukommt. Er kann es noch gar nicht fassen, meint sie mich? Er sieht sich um, aber da ist niemand sonst. Olivia watet immer noch durch den Nebel, nur bekleidet mit rosa Wölkchen strebt sie auf ihn zu. Aber was ist das, was ist mit ihrem Gesicht geschehen, wer bist denn Du? Wenn Du nicht die Oxana bist. Wie wunderbar die beiden in einander verschmelzen, um sich sanft von einander zu lösen, um nun zu Zweit auf den Glücklichen zuzustreben, und versuchen mit ihren Augen seinen Blick zu fassen, während sie ihr Haar wehen lassen im dem Wind, der die rosa Wolke vorantreibt. Aber da, was geschieht nun, jemand hat den Ton in seinem Traum angeschaltet, was sagen die beiden, er kann es nicht hören, denn sie flüstern so leise und verheissungsvoll. Was ist es, ihr Lieben, was wollt ihr mir sagen? Was ist es was ihr mir zu sagen haben, so sprecht doch lauter.

Zacharias kann sein Glück nicht fassen: Ruft ihr meinen Namen?

Mit der unangenehm leicht näselnden Stimme schwebt das Schwarze Loch über Zachrias und er muss erschrocken feststellen, das es nicht von den beiden Freundinnen gerufen wird, sondern von diesem penetranten Naturphänomen: Zacharias, hallo, kannst Du mich hören?

Zacharias blickt entnervt und enttäuscht ins Nichts und das Schwarze Loch sagt: Wenn du die verdammte Wunschwolke nicht wegschliesst, dann musst Du dich nicht wundern, wenn sie sich zu dir ins Bett schleicht und an deinen Nervenströmen nuckelt.

Zacharias richtet sich auf: Was?

Das Schwarze Loch: Erholen kann man sich bei so was jedenfalls nicht. Es gibt nur einen Ort wo eine Wunschwolke keinen Schaden anrichten kann, in einer Flasche.

Zacharias: Was redest Du denn da von Träumen?

Schwarzes Loch: Ich dachte nur, weil deine Wunschwolke es so eilig hatte sich wieder unter das Bett zu verziehen ...

Zacharias schnappt sich den weiten Bademantel und geht missmutig ins Bad, doch dann heitert sich sein Gesicht auf und er geht schnell in die Küche, wo es schon so lecker nach Kaffe duftet, den das Schwarze Loch gerade in seiner Akkredationsscheibe frisch zermahlt: Du, sag mal, kann man so eine Wunschwolke auch verschenken?

Schwarzes Loch: Sag einfach Oladron bescheid, der nimmt sie dann zurück.

Zacharias: Nein, ich meine nicht zurückgeben.

Schwarzes Loch: Auch nicht reklamieren? Beanstanden? Umtauschen?

Zacharias: Was hast Du nur gegen die Sylke?

Schwarzes Loch die Gedanken von Zacharias erratend: Das wird dir nichts nutzen, wenn Du die Wunschwolke deinen Freundinnen schenkst.

Zacharias: Welchen Freundinnen?

Das Schwarze Loch zieht ein genervtes Gesicht. Was man an der ziemlich zappeligen Gravitationswelle deutlich spüren kann, die jetzt auch das Kraftfeld aufgeweckt hat, was neugierig dem Gespräch folgt.

Zacharias: Ach diese Freundinnen meinst Du. ... Meinst Du nicht, sie würden sich über ein paar schöne Träume freuen?

Schwarzes Loch: Doch schon, bestimmt.

Zacharias: Und?

Schwarzes Loch: Wenn sie denn von Dir träumen?

Zacharias: Warum sollten sie nicht?

Schwarzes Loch: Heisst es nicht Wunschwolke?

Zacharias: Aber ich habe doch auch von ihnen geträumt!

Schwarzes Loch: Ja, denn schick doch Sylke vorbei, vielleicht träumen sie dann auch von Dir.

Zacharias: Nehmen wir mal an, es wäre mir irgendwie wichtig, dass sie auch von mir träumen, wie könnte ich das hinbekommen?

Schwarzes Loch: Schenk ihnen doch eine Tafel Schokolade, dann machen sie das bestimmt.

Zacharias: Sehr witzig.

Da schaltet sich das Kraftfeld in das Gespräch ein und kippt die Kakaodose um, damit ein ordentlicher Stoss im Schwarzen Loch landet, was sofort mitspielt: Oh Krafti, was machst Du mit mir? Woher weisst Du, dass ich auf Schokolade stehe?

Zacharias: Das ist ja widerlich?

Krafti: Du sagst es, das Paarungsverhalten von Homo Sapiens ist wirklich gewöhnungsbedürftig.

Schwarzes Loch: Es ist ja nicht nur der rasierte Affe, es ist der ganze Planet, der so verkommen ist.

Zacharias: Ach nein, und wie läuft das bei euch ab, blüht ihr euch gegenseitig an?

Krafti: Das kann schon mal vorkommen, warum nicht?

Schwarzes Loch: Wunschwolken mit einer Tafel Schokolade bewaffnen ist natürlich eine bessere Idee.

Das Schwarze Loch zwinkert Krafti zu.

Zacharias: Vor allem weil es nicht mal meine Idee war.

Schwarzes Loch: Nein, deine Idee war, meine Grundeinstellungen auf Automatik zu setzen. Weisst Du noch?

Krafti: Stimmt ja, du warst gestern nur so müde, da wollten wir dich nicht weiter nerven.

Zacharias brüllt fast: Nervt mich jetzt bitte auch nicht.

Das Schwarze Loch und Krafti verlassen beleidigt den Raum und das Schwarze Loch sagt laut: Na wie ist es, wollen wir mal ein bischen RumBlühen?

Krafti: Aber weisst Du nicht das ich eine Pollenallergie habe?

Die beiden kichern und Zacharias ruft: Könnte ihr bitte die Tür schliessen!

Das Kraftfeld wirft die Tür krachend zu.

Einen Moment atmet Zacharias auf, da kommt Sylke unter der Türritze durchgekrochen: Hallöchen, gut geschlafen?

Zacharias: Was willst denn du schon wieder?

Sylke: Die anderen sagten, du hättest mich gerufen? Ist das etwa nicht wahr?

Krafti ruft von nebenan: Sag bloss nicht, dass wir Lügner sind.

Schwarzes Loch: Das ginge dann doch zu weit, das kann ich bei diesen Grundeinstellungen nicht verkraften.

Krafti: Im Automatikmodus wäre das allerdings kein Problem.

Zacharias brüllt schon fast: Bitte, ich brauche einfach mal einen Moment Ruhe.

Sylke: Komm her, hau wieder ab, komm rein, los wieder raus, tse. Ihr habt keine Manieren auf diesem Planeten.

Sylke verkriecht sich in Zacharias Zimmer wieder unters Bett, was Zacharias gar nicht recht ist, dass sie sich sein Bett als Schlafplatz ausgesucht hat.

Zacharias sieht eine alte Milchflasche, greift sie sich und ruft noch mal nach Sylke: Du Sylke, ich hab da noch was für Dich.

Aber als Sylke sich nicht gleich meldet, gibt Zacharias den Gedanken für eine sichere Behausung für die Wunschwolke schon wieder auf und schlendet Richtung Badezimmer zur Dusche. Als er bei dem Weg zur Dusche in dem verwinkelten, mehrfach umgebauten Haus die Haustür passiert, klingelt es. Zacharias zuckt zusammen und macht reflexartig die Tür auf. Vor ihm steht Olivia und strahlt ihn an: Ich habe Brötchen mitgebracht.

Von drüben hört man Krafti feixen: Du hast da noch Pollen im Haar.

Olivia und Zacharias greifen sich gleichzeitig ins Haar und Zacharias findet keinen Pollen, aber Olivia sagt: Das ist noch Mehl aus der Backstube, wer hat denn da Pollen gesagt?

Zacharias: Du kannst sie auch hören?

Olivia sieht Zacharias an, als ob er verrückt wäre: Natürlich kann ich sie hören.

Neugierig linst sie an Zacharias vorbei: Willst Du mich nicht mal deinem Besuch vorstellen.

Zacharias hat das Gefühl, dass er dringend eine Dusche braucht und er hat das Gefühl, das es jetzt nicht mehr übler werden kann, da kommt sein Vater um die Ecke und ignoriert, dass Zacharias die Tür schon geöffnet hat: Hörst Du nicht, es hat geklingelt Junge.

Zacharias tut so, als ob er nicht da wäre, nur eine Wachsfigur, er stellt sogar das Atmen ein, bis sein Vater im Badezimmer verschwunden ist.

Olivia ist amüsiert: Dein Vater?

In dem nächsten Moment ist das Kraftfeld übereifrig da und schirmt Zacharias gegen das Badezimmer ab, ein Surren ist in der Luft und Krafti sagt: Kein Problem Kleiner, der tut dir nichts.

Olivia lacht jetzt laut los: Kannst Du bauchreden?

Das Schwarze Loch flüstert: Sag es ihr besser nicht.

Das Kraftfeld ist enttäuscht: Och worum denn nicht?

Olivia ist irritiert: Was sollst Du mir nicht sagen?

Vielleicht liegt es an dem verlockenden Duft von den Brötchen, plötzlich macht sich der Magen von Zacharias selbständig und grummelt unglaublich laut los.

Das Schwarze Loch ist fasziniert und flüstert Krafti zu: Balzen die Erdlinge so, hört sich das so an?

Krafti bewacht immer noch den Flur und entgegnet: Keine Ahnung, Alter. Und so genau will ich es auch nicht wissen.

Aber Olivia will es wissen, sie hebt die Brötchentüte vor die Augen von Zacharias, schwenkt sie hin und her und sagt: Hunger? Brötchen!

Frühstück

Im Garten war es noch frisch. Trotzdem haben Sie den Tisch und die alten Stühle aus der Waschküche in den Garten gestellt, so wie früher, als Zacharias Mutter noch lebte. Und dabei hat Zacharias noch ein altes Pflaumenmus gefunden, was noch Zacharias Mutter eingekocht hat.

Da war die Sonne schon über den Hügel geklettert, ihre Strahlen wurden immer kräftiger, um gegen den etwas launischen Wind anzukommen, der mal hoch oben in den grossen Weissbuchen aufbrauste, und dann wieder ein paar vergessene Blätter vom letzten Herbst im Kreis tanzen liess, bevor er endlich ein Stück ungeschützte Haut erwischen konnte, um Zachrias tief in den Ärmel zu fahren. Zacharias spürte, wie er eine Gänsehaut bekam, die im nächsten Augenblick schon von der Sonnenwärme wieder glatt gestrichen wurde. Bis dann ein Blick von Olivia für einen Gänsehautnachschub sorgte.

Das schlechte Gewissen von Zacharias Vater führte dazu, dass er seinem Sohn immer wieder beweisen musste, wie umgänglich er jetzt geworden war. Er könnte jetzt, wenn er angeschäkert wäre, seiner Freundin Oliva komische Komplimente machen, was natürlich unheimlich peinlich wäre. Und da Zacharias Vater mit dem Nüchtern-bleiben und Geld verdienen so stark beschäftigt war, dass er Zacharias nichts anderes anbieten konnte, also leider kein Elektrofahrrad, obwohl er das seinem Sohn schon jahrelang versprochen hatte, nicht nur wegen der Hanglage, auch wegen des schlechten Gewissens, aus diesem Grund machte er seinem Sohn ein anderes Geschenk, das Geschenk der NichtAnwesenheit. Er tauchte immer mal wieder flüchtig auf, nur so kurz, dass die Möglichkeit einer echten Begegnung in der Luft lag, um dann mit den Worten "Wollt wohl lieber alleine sein, kann ich gut verstehen" zu verschwinden. Vorher nickte er Olivia zurückhaltend aber sehr verbindlich zu, um seine ausgesprochene Billigung, wie ein flächendeckenden Segen zu verteilen, dann war er schon wieder weg.


Wenn nicht dieser blöde Zwischenfall passiert wäre, als Zacharias das verdammte Pflaumenmusglas hoch gehoben hat und gesagt hat: Noch von meiner Mutter.

Denn im gleichen Augenblick, als er Olivia das Pflaumenmusglas rüberreichen wollte, kam eine Windböe um die Ecke geschlichen, die es direkt auf Zacharias abgesehen hatte und ihm fiel eine Träne aus dem Auge, direkt auf Olivias Hand. Und ich weiss wirklich nicht, ob es der Wind war, oder die Erinnerung.


Er konnte spüren, wie er im Fokus ihrer Aufmerksamkeit stand, aber nur einen sehr kurzen Moment, dann tat sie so, als hätte sie nichts bemerkt. Nur Zacharias bekam wieder seine Tomate. Und was typisch für den Wind war, wenn man ihn brauchte, um den überhitzten Kopf abzukühlen, dann verkroch er sich woanders.

Vielleicht dachte sich Olivia ja, dann ist es auch egal, als sie die kleine Träne mit den Lippen absaugte, so wie sie es eben auch mit einem Brotkrümel getan hatte. Zacharias schoss durch den Kopf, was er aus Bio wusste, und was sie alles zum Henker schon in so einer unschuldigen Träne gefunden hatten, aber Olivia schien das nichts auszumachen.

Und als Zacharias immer noch so rot war, dass sich Olivia fragte "Warum habe ich bloss Hunger auf Tomatenbrot?" hat sie ihm einfach sein Pflaumenmusbrötchen geschmiert.

Als er einen Moment zögerte, hat sie ihm mit einer überraschen tiefen, fast abgesackten Stimme aufgefordert: Iss!

Und als Zacharias nicht schnell genug reagierte, hat Olivia gesagt: Alles klar. Zwangsernährung.

Ganz langsam und ruhig steht sie auf, geht um den Tisch herum, um sich hinter ihn zu stellen. Dann beugt sie seinen Kopf ein kleines Stück nach hinten und steckt ihm sanft das Brötchen in den Mund.

Zacharias ist total perplex, aber Olivia kichert nur und sagt: Abbeissen.

Und als Zacharias unsicher "was" sagt, brüllt ihn Olivia schon fast an, natürlich mit ihrer tiefen untergründigen Stimme: "Abbeissen!"

Als Zacharias zu kauen beginnt, streichelt sie sanft seinen Hals, als wäre er eine kranke Gans.

Es war so grossartig, dass Zacharias gar nicht merkte dass er einen enormen Blasendruck hatte. Er musste jetzt einfach auf das Klo gehen, was er sehr bedauerte, weil er der festen Überzeugung war, wenn er wieder raus kommt, ist der Traum endgültig vorbei, und sie ist weg.

Eilig huscht er ins Bad und hat schon die Hand am Reissverschluss, da hört er jemand warnend aufschreien: Hoppla!

Zacharias hätte sich beinahe eingepinkelt: He, kannst Du nicht mal ein Absperrband verwenden oder so? Was wäre wenn ich in dich reingetreten wäre.

Das schwarze Loch sagt gelangweilt: Was wäre schon? Bis in meinen Zweiten Magen würdest Du eh nicht kommen, das macht schon meine Freund Feind Kennung klar, glaube ich.

Zacharias sieht das Schwarze Loch an, und das dreht sich irritiert etwas schneller, was einen ausgesprochen schmerzhaften Gravitationssog auf Zacharias Blase zur Folge hat: Is was?

Zacharias: Ich kann nicht pinkeln, wenn Du mir zusiehst.

Schwarzes Loch tut beleidigt: Ich guck dir schon nichts weg.

Dann trollt es sich.

Endlich kann Zacharias pinkeln, da hört er das Schwarze Loch von draussen fragen: Weisst Du was ich gerade gemacht habe?

Zacharias: Was hast du denn gerade gemacht?

Schwarzes Loch: Ich habe mich übergeben.

Zacharias: Wirklich?

Schwarzes Loch: Wirklich! Das machen wir nämlich, wenn man sich nicht um uns kümmert. Ich kenne das nämlich schon. Erst sind immer alle aus dem Häuschen. Wahnsinn, ein schwarzes Loch ganz für mich allein! Und dann wollen sie gleich das man die Schule verschluckt und so. Dann haben sie es nicht so gemeint, und dann haben sie eine Freundin! Hast Du eine Freundin?

Zacharias: Würdest Du mich bitte durchlassen?

Schwarzes Loch: Warum so eilig? Weil deine Freundin wartet? Ist sie noch da? War das da eben deine Freundin? Ist die nicht ein ganz kleines bisschen zu alt für dich? Oder ist das so ein Gender Ding, dass die Jungs jetzt jünger sein dürfen, was?

Zacharias: Du und deine Freunde, das ist das Coolste, was ich jemals hatte.

Schwarzes Loch: Dein Ernst? Du bist zufrieden mit meiner Leistung? Das freut mich sehr, du weisst gar nicht wie sehr ... ach so ... ich bin immer noch im Weg ... na ist es so besser? Du hast da noch einen Brotkrümel auf der Schulter. Warte ich mache ihn dir schnell weg. Sag mal, wen magst Du einfach lieber, sie oder mich? O.K. das war eine dumme Frage, ich ziehe die Frage zurück. Kann ich nichts dafür, das liegt in meiner Natur, schwarzes Loch, du weisst schon, kann nicht anders, als alles anzuziehen. Dann sehen wir uns später noch.


Als Zacharias draussen ist, da ist das geschehen, was er befürchtet hat, ihr Stuhl ist leer, sogar ihre Jacke ist weg. Plötzlich ist alle Energie aus Zacharias gewichen. Als ob ihm eine ganz lange finstere Weissagung gerade erfüllt worden wurde: Sie wird nicht warten!

Als er schon wieder auf dem Weg ins Haus ist, und plötzlich wirklich überhaupt keine Lust auf sein eigenartiges Weltraumspielzeug hat, angesichts dieses Verlustes, den er eben hinnehmen musste, hört er Olivias Stimme aus dem Garten hinter sich: He, ich bin noch da, wo willst Du denn hin?

Kuckuck

Richtig gut fühlt sich Krafti heute nicht, weil Inge die Infinitimachine nur zum Standbybetrieb bereit ist und das bedeutet er muss sich von Kriechstrom ernähren, wie erbärmlich. Krafti weiss gar nicht, was er tun sollte, wenn der Vater wieder auf Alkohol umsteigt und zu prügeln anfängt. Ob seine Kraft dann noch ausreicht, die Prügelimpulse zu dämpfen? Und dann ist da noch das Schwarze Loch. Krafti weiss, wie empfindlich der Stoffwechsel von schwarzen Löchern ist und wie leicht es an Stoffwechselstörungen leiden kann. Und es ist nicht leicht zu erklären, wie Fresssucht und Reizdarm sich in kosmischen Massstab auswirken können, auch wenn es sich bei diesem Schwarzen Loch nur um eine Miniaturform handelt, kann es schnell unkontrollierbar werden. Deshalb muss das schwarze Loch immer beschäftigt werden und ist somit nichts für Stubenhocker.

Krafti kennt alle Verstecke des schwarzen Lochs, und weiss auch wie es hervorgelockt werden will, denn es ist, wie bereits erwähnt, sehr zuwendungsbedürftig, Schmeichelleien, die andere leicht durchschauen würden, werden von dem Schwarzen Loch gierig und kritiklos aufgenommen. Und dieses Bedürfnis nach Zuwendung und Beschäftigung wird dadurch dass Zacharias gerade abgelenkt ist, nicht schwächer. Wer glaubt, schwarze Löcher sind Materialisten, der hat noch nie ein echtes schwarzes Loch gesehen und kennt es nur aus Formeln und Büchern. Echte Schwarze Löcher brauchen Liebe.

Das Kraftfeld hat zur Suche von seinem Kollegen extra seinen Lieblings original 50er Jahre Kraftstromsummton eingeschaltet und schwebt etwas energieschwach durch das Haus. Ein Schwarzes Loch ist gar nicht so einfach zu finden, auch wenn man die üblichen Verstecke kennt, wenn es nicht gefunden werden will. Zuerst sucht das Kraftfeld das Badezimmer auf: Ein typischer Ort, wo sich ein fast zahmes schwarzes Loch verstecken würde.

Kraftfeld: Na Lochster, hast Du dich auf dem Klo versteckt? Na komm schon raus. Hast Du nicht Lust ein bisschen Schwundball zu spielen?

Vorsichtig schiebt das Kraftfeld die Klotür auf und linst hinein, ob im Klo die von der Akredationsscheibe des schwarzen Lochs typischen helixartig verwischten Bremsstreifen zu sehen sind. Typisch, das Klo ist blitzblank, da kann man natürlich keine Spuren finden.

Mc Loch, na komm schon, ich weiss doch wie gerne Du Schwundball spielst.

"Hm", das Kraftfeld schwebt weiter durch den Flur, da fällt ihm ein bizarrer Regenschirmständer auf, der an eine Ritterrüstung erinnert. Vorsichtig, um keine böse Überraschung zu erleben, linst es in den Regenschirmständer: Nichts.

Krafti schiebt etwas unwillig die Kellertür auf und sagt: Wenn alles so einfach wäre.

Vorsichtig lugt Krafti, um die Kellertür: His Holeness, vergnügen wir uns in der Waschküche?

Leise denkt sich Krafti: Natürlich, die Waschmaschinentrommel.

Krafti: Sire jetzt habe ich euch, wieso versteckt ihr euch auch immer im Eimer?

Mit einem überraschenden Satz springt das Kraftfeld in den leeren Blecheimer, und wirft ihn um. Das macht ganz schön Lärm, so viel, dass Zacharias Vater gleich noch eine Vitamin B Tabletten einnimmt, wie ihm der Arzt das verordnet hat, damit er das Rumpeln und die eigenartigen Stimmen in seinem Kopf nicht hören muss. Das kann schon mal nicht schaden, was aber auch nicht schaden kann ist, wenn sie im Radio gerade von Bellini die Norma spielen. Mit einem siegessicheren Lächeln dreht Zacharias Vater das Radio so weit auf, um sich von Maria Callas in himmlische Sphären entführen zu lassen.


Derweil im Garten:

Draussen im Garten richtet sich Olivia auf ihren Ellenbogen auf: Du hör mal.

Zacharias kann die Arie genau hören: Ich hör nichts.

Olivia: Doch, ich höre es genau, da singt doch jemand.


Zurück in die Waschküche:

Krafti atmet einmal tief durch bevor er mit der Show beginnt, schiebt er den Eimer scheppernd über den groben Kachelboden der Waschküche und flüstert: Lochster, es ist plötzlich so dunkel hier.

Wer es noch nicht erlebt hat, wie das Lachen eines Schwarzen Lochs die Raumzeit krümmt, dem kann man es schwer erklären. Ausserdem durfte Krafti jetzt keinesfalls direkt auf die raumkrümmende Lachquelle in der Waschmaschinentrommel zueilen. Er musste jetzt noch ein Weilchen völlig verirrt über den Kellerboden rumpeln, immer wieder durch unglaubliches Missgeschick das Schwarze Loch zum Lachen bringen, bis die Gravitationswellen zu stark werden, und es sich aus freien Stücken aus seinem Versteck selbst meldet.

Schwarzes Loch: Mensch Kraftfeld, hier bin ich doch, siehst Du mich denn nicht?

Krafti wirft erstaunt den Eimer ab: Nein, Du hast dich in der Waschmaschine versteckt, wie genial ist das denn?

Schwarzes Loch: Komm hör schon auf, du Schmeichler, ich habe nur getan was nötig ist.

Krafti: Ihr habt mich wieder überrascht, Sire, Majesty of Matter.

Schwarzes Loch wabert heraus: Nun übertreib mal nicht. So raffiniert ist es doch nicht.

Krafti: Was, das soll nicht rafiniert sein? Willst Du mich beleidigen? Meinst Du dass ich zu dumm bin zu sehen, wenn etwas rafiniert ist?

Schwarzes Loch: Nein, nein, sei doch nicht gleich so eingeschnappt.

Krafti: Bin ja gar nicht eingeschnappt, dachte nur, wir können etwas für den Jungen kochen, wenn er nach Hause kommt.

Schwarzes Loch: Ich habe schon gespeist.

Krafti: Die Socken des Alten?

Schwarzes Loch (antwortet wie üblich bei schwerverdaulichen Speisen mit einer Abwandlung von Kants Imperativ): Nicht vollkommen ausgeschlossen dass ich die Socken verspeist habe, das heisst aber nicht, dass ich das Sockenmahl zur Maxime erheben kann, die ich kategorisch weiterempfelen oder gar zum Gesetz erheben kann.

Beim Aufstieg betet Krafti leise zu seinem Schöpfer, dass Zacharias gleich eintrudelt, denn sonst fällt ihm kein Trick mehr ein, wie er ein trauerschwangeres Schwarzes Loch noch beruhigen kann.

Und tatsächlich fliegt da die Haustür auf und Zacharias steht vor ihnen: Seid ihr das? Meine Freunde, ihr glaubt einfach nicht, was heute geschehen ist?

Schwarzes Loch: Du hast da noch Laub im Haar.

Krafti: Lass mich raten, Du hast ne eins im Aufsatz, gratuliere.

Zacharias: Aufsatz? Was erzählt ihr da, und woher wisst ihr überhaupt so viel über uns?

Schwarzes Loch: Nun die Erde ist im ganzen mir bekannten Universum sehr beliebt, was ihre Geschichten anbelangt.

Krafti: An jeder Weltraumtankstelle kannst Du diese Erdheftchen kaufen.

Zacharias: Habt ihr keine e-books oder so?

Krafti: Soll ich dir jetzt wirklich sagen, wie wir Bücher lesen, oder willst Du erst mal wissen was drin steht?

Zacharias: Beides.

Krafti: Es gibt verschiedene Zubereitungsformen für Bücher, bei uns auf Om gibt es Bücher in verschiedenen Geschmacksrichtungen.

Zacharias: Hä?

Schwarzes Loch: Du erklärst das falsch, du musst den Erdlingen alles mit Star Treck (TM) erklären, nur dann können sie es verstehen. Es gibt solche LebensmittelSynthesizer, verstehst du, aber die machen nicht nur ein und den selben Snack oder Drink.

Zacharias: Bei Star Treck (TM) auch nicht.

Krafti: Lochster, Du erklärst das nicht humangerecht. Es ist so wie ein einziger Drink, der erst mit einer kräftigen Nudelsuppe beginnt, dann kommt ein Himbeer Smoothie und dann Schnittchen und schwarzer Tee mit Milch und Zucker.

Schwarzes Loch: Alles ist nur ein Drink, und zu jeder Geschmacksrichtung gehört eine Geschichte.

Zacharias: Hä?

Krafti: Ist so ein Gentechnik Ding, die Geschichte und der Geschmack u.s.w.

Lochster: Und dann mixen manche noch so Reperatursachen dazu, so kann man das vielleicht besser erklären, ist wie mit euren Vitaminzusätzen.

Krafti: Da kann ganz schön heftig werden, die räumen so richtig in deinem Körper auf, holen die Schwermetalle raus, spülen den Extrazelluarraum, beheben Krebs, verlängern die Telomere, setzen die Zelluhr wieder auf Frischling und verwarnen dein Biom.

Lochster: Ich meine, ich kann ja eigentlich nicht mitreden, aber wie die mit Karies reden.

Krafti: Die vagen es nicht mehr aus der Reihe zu tanzen. Das ist ganz schön wichtig, denn die Menschen haben früher Löcher von ihrem Biom in den Zähnen bekommen.

Lochster: Mensch Krafti, hast Du auch so gerne Zahnarztromane von der Erde gelesen?

Krafti: Wenn ich eins vermisse dann ist es das.

Zacharias: Kein Scheiss?

Krafti: Cool was, aber das beste ist das Leben auf Probe.

Zacharias: Was ist das?

Lochster: Wenn Du jemand kennen gelernt hast, und Du willst wissen, wie es läuft, dann kannst Du erst mal alles durchspielen, auf Probe sozusagen.

Krafti: Du musst Dir das vorstellen wie eine Droge. Normalerweise entführt dich eine Droge in eine Welt, wo alles ein bisschen komisch ist.

Lochster: Ich würde das nicht verstehen, wie Du das erklärst.

Krafti: Ich war auch noch gar nicht fertig.

Zacharias: Du meinst also, wenn man jemand kennengelernt hat, dann kann man sehen mit dieser Probedroge, wie es ist mit dem anderen und so, und was er mag und so.

Krafti und Lochster tun etwas, was man für nicken halten könnte.

Zacharias: Und habt ihr noch so einen Drink übrig?

Lochster: Zachi, Du bist aber naiv, natürlich nicht, das Zeug unterliegt total den Exportbeschränkungen. Ich dürfte dir noch nicht mal sagen, dass es das überhaupt gibt.

Zachi blickt in Richtung des Surrens von Krafti und der bestätigt: Da hat Mc Loch recht.

Lochster: Es sei denn man schaltet den Automatikmodus bei uns ein.

Krafti: Lochster, jetzt ehrlich.

Zachi: Kann ich machen, wenn es euch hilft.

Krafti: Tu es ruhig, aber Leben auf Probe geht dann immer noch nicht, sorry.

Lochster: Man könnte aber improvisieren. Ihr seid in Universum bekannt für euer Improvisieren.

Krafti: Nun lass doch Zacharias in Frieden und hör auf ihm etwas zu versprechen, was gegen die interplanetarische Spielzeugethik ist.

Lochster: Du behandelst Zachi wie ein Kind.

Krafti: Ich bin sein Spielzeug, wie bitte soll ich ihn sonst behandeln?

Zachi: Wie kann man improvisieren?

Lochster: Du bräuchtest einen Klondrucker.

Krafti ist genervt: Wenn es mehr nicht ist.

Lochster: Wenn Du keinen Klondrucker hast, kannst Du auch eine Narzißpfütze nehmen.

Krafti: Das ist doch alles quatsch, das ist doch nur ein Märchen.

Lochster: Ich habe es schon mal ausprobiert.

Krafti: Und welchen Drink hast Du da zu dir genommen?








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